Kapitalklemme bei Start-ups
Deutsche Börse prüft Chancen auf mehr Börsengänge

Feiert der „Neue Markt“ ein Comeback? Auf Anregung des Bundeswirtschaftsministeriums prüft die Deutsche Börse Möglichkeiten, die Zahl der Börsendebuts zu erhöhen. Entsprechend könnte ein neues Marktsegment folgen.
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FrankfurtKnapp neun Monate nachdem der frühere Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die Wiederbelebung eines Wachstumssegments an der Frankfurter Börse ins Spiel gebracht hat, gewinnt das Projekt an Dynamik. Die Deutsche Börse intensiviert derzeit die Prüfung, ob mehr Börsengänge von etwa High-Tech-Unternehmen in Deutschland möglich sind. Auch die Marktchancen eines speziellen Börsensegments für junge, innovative Firmen, sozusagen ein revitalisierter Neuer Markt, steht zur Debatte. Für Dienstag hat die Börse nach Informationen der digitalen Tageszeitung „Handelsblatt Live“ (Donnerstag) zu einem Workshop nach Frankfurt geladen. Dort sollen in kleiner Runde Vertreter von Unternehmen mit Aussicht auf einen Börsengang verschiedene Investoren treffen, heißt es in Finanzkreisen.

Es seien 10 bis 20 Firmen avisiert, so ein Investor. Ein Beobachter sagte, beiden Seiten solle „ein Beschnuppern“ ermöglicht werden. Die Börse bestätigte den Termin, nannte aber weder Teilnehmer noch Agenda. „Wir evaluieren derzeit intern und extern das Potenzial börsenfähiger Unternehmen in Deutschland und inwieweit die Deutsche Börse bei der Suche und Bereitstellung von Kapital und alternativen Finanzierungsmöglichkeiten behilflich sein kann“, teilte der Konzern mit. Das Treffen am Dienstag sei Teil der Bestandsaufnahme.

In Berlin hieß es, die Gespräche zwischen der Bundesregierung und der Deutschen Börse liefen weiter. So hält Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an den Plänen seines Amtsvorgängers Rösler fest. Auch die neue Regierung will Unternehmertum und Gründergeist fördern. „Wir benötigen mehr Börsengänge zur Wachstumsfinanzierung von jungen und innovativen Unternehmen in Deutschland“, betonte die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), gegenüber dem Handelsblatt. Die Einführung eines neuen Börsensegments könnte hier Abhilfe schaffen. Parallel fordern einige Dutzend Abgeordnete der Regierungsparteien, die „Finanzierungsbedingungen für Startups in allen Phasen – von der Gründung bis zum etablierten Unternehmen – zu verbessern“. Auch ein neues Börsensegments „Markt 2.0“ solle geprüft werden, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Mehr Börsengänge, im Fachjargon IPOs genannt, sollen helfen, ein Problem des Standort Deutschland zu lösen. Als ein Manko gilt, dass junge, innovative Firmen schwer an Kapital kommen
Allerdings verbinden Anleger mit dem Neuen Markt extrem schlechte Erfahrungen. Das 1997 gegründete Segment wurde 2003 nach einer Skandalserie und einem drastischen Kursrutsch wieder geschlossen. Zudem dürfte allein ein neues Marktsegment wohl kaum automatisch Börsengänge ankurbeln.

Den ganzen Artikel nebst Hintergründen finden Sie bei „Handelsblatt Live“, die dreimal täglich aktualisierte Digitalzeitung, die über eine App für iPad und Android verbreitet wird.

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