Ken Fisher im Interview
„Viele werden eines besseren belehrt“

Ken Fisher, der mit seiner Vermögensverwaltung in den USA etwa 30 Milliarden Vermögen betreut, hat Anlegern schon viele gute Ratschläge gegeben. Im letzten Jahr lag er allerdings daneben. Als die Börsen ins Bodenlose fielen, setzte er zu früh auf steigende Aktienkurse. In den USA droht im deshalb eine Klage. Im Interview mit Handelsblatt.com spricht der Investor darüber, was er davon hält und warum er langfristig weiter optimistisch ist.

Handelsblatt: Die Börse scheint die Krise vorerst abgehakt. Die Kurse sind seit ihren Tiefständen im März gestiegen. Was meinen Sie, geht diese Rally so weiter?

Ken Fisher: Ja, aber die Volatilität wird steigen. Ich denke, wir haben es mit einem voll ausgeprägten Bullenmarkt zu tun - mit all den Schwankungen, die dazu gehören. Es kann durchaus sein, dass es noch mehrere schwache Monate gibt, bevor es dann weiter aufwärts geht.

Das was Sie einen Bullenmarkt nennen, könnte aber schnell in sich zusammen fallen. Einige warnen schon vor dem nächsten Crash.

Wenn dies ein Bärenmarkt wäre, dann erleben wir die größte globale Bärenmarktrally aller Zeiten. Die Skeptiker gibt es immer. In den letzten Monaten wurden bereits viele von ihnen eines besseren belehrt. Die Wirtschaft wird sich schneller erholen als die meisten denken.

Was macht Sie so sicher?

In den meisten Teilen der Welt hat sich der Absturz bereits verlangsamt, wie die Konjunkturdaten zeigen. In der zweiten Jahreshälfte wird die Weltwirtschaft wieder etwas wachsen und ab 2010 kräftig anziehen. Deutschland hinkt hinterher, weil hier der Konsum und damit ein starker Binnenmarkt fehlt.

In der Vergangenheit haben Sie oft richtig gelegen. Im letzten Jahr erwischte Sie der Absturz an den Börsen allerdings auf dem falschen Fuß. Haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt?

Ja, ich bin jetzt noch skeptischer, was die Regierungen angeht. Fast immer und überall auf der Welt ist es die Politik, die den Wohlstand ihrer Bürger vernichtet.

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