Konjunkturdaten im Fokus Dax-Ausblick: Jahreshoch – und jetzt?

In der abgelaufenen Woche hat der Dax ein Jahreshoch erreicht. Nach der rasanten Rally werden Anleger und Marktbeobachter immer nervöser. Immer drängender stellt sich die Frage: Steigen die Kurse weiter - oder geht der Börse doch bald die Puste aus? Entscheidende Impulse kommen in den nächsten Tagen von der Konjunkturseite.
Dax-Ausblick: Anleger lassen sich von Konjunkturnachrichten inspirieren. Quelle: Handelsblatt

Dax-Ausblick: Anleger lassen sich von Konjunkturnachrichten inspirieren.

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HB FRANKFURT. Am Freitag gab die Nachrichtenlage genug her, die Investoren positiv zu stimmen. Der weltgrößte Chip-Hersteller Intel rechnet jetzt mit einem besseren Ergebnis als bislang erwartet. Anleger werteten dies als weitere Bestätigung für eine Trendwende. Ein Börsianer sagte, die Stimmung sei recht gut am Markt. "Gute Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen haben die Hoffnung auf eine Erholung zuletzt wachsen lassen. Die Frage ist aber, was ist in den Kursen schon enthalten und was nicht?"

Ein gewisses Unbehagen spiegelt auch der VDax wider. Der gerne auch als "Angstbarometer" genutzte Volatilitätsindex war vergangene Woche an nur einem Handelstag um 15 Prozent auf über 30 stiegen. Stärkere Schwankungen signalisieren eine höhere Nervosität. Einen solchen Anstieg hatte es längere Zeit nicht gegeben. Mittlerweile hat sich der Index wieder etwas beruhigt.

Dennoch bleiben Fragen. Arnim E. Kogge vom Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger beobachtet einen "Anstieg von Sorglosigkeit". Der sei mit Risiken verbunden. "Der seit Anfang Juli starke Hausse-Trend, der im März begonnen hat, verlangsamt sich, und die positiven Daten werden weniger." Seit seinem Jahrestief im März hat der Dax über 50 Prozent gewonnen.

In der abgelaufenen Woche hatten gute Daten dem Index nur noch wenig Schwung gegeben. Er erreichte aber immerhin noch ein Jahreshoch und notierte am Freitag über 5 500 Punkten. Kogge begründet die Stabilität damit, dass bislang jeder durch Gewinnmitnahmen verursachte Rückgang gleich wieder für Neukäufe genutzt wurde.

Genau aus diesem Grund erwarten noch mehr Börsianer, dass der Dax sich auch in den nächsten Tagen gut halten wird. An schwächeren Tagen würden Anleger ihre Aktienpositionen aufstocken, stellt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp fest. "Viele professionelle Anleger sind weiter unterinvestiert", erklärt auch NordLB-Analyst Tobias Basse.

Termine der kommenden Woche

In der neuen Woche werden die Impulse für den deutschen Aktienmarkt von der Konjunkturseite kommen. Vor allem aus den USA steht eine Reihe von Statistiken an, die den Optimismus der Börsianer bestätigen könnten - oder aber auch dämpfen. "Es besteht die Gefahr für einen Rücksetzer im Dax, falls nicht alle Zahlen gut ausfallen sollten", warnt LBBW-Aktienstratege Michael Köhler. Umgekehrt könnte es sein, dass gute Zahlen dem Dax nicht mehr viel weiter nach oben hieven. "Im derzeitigen Kursniveau ist schon viel Konjunkturoptimismus eingepreist", fügt Köhler hinzu.

Während von Unternehmensseite kaum Nachrichten erwartet werden, stehen mit den Einkaufsmanagerindizes aus den USA wieder wichtige Stimmungsbarometer auf den Terminkalendern. Nach den Umfragen für die Großräume New York und Chicago am Montag wird am Dienstag der landesweite Einkaufsmanagerindex veröffentlicht, den das ISM-Institut ermittelt.

Analysten rechnen laut einer Befragung der Agentur Reuters damit, dass der Index über die Schwelle von 50 Punkten steigen wird. "Die US-Industrie sollte ihre Talfahrt damit beendet haben", erklärt Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. Der Stellenabbau werde sich in der weltgrößten Volkswirtschaft dagegen fortsetzen - wenn auch mit verringertem Tempo. Zahlen vom US-Arbeitsmarkt aus dem August werden am Freitag erwartet.

Auf europäischer Seite steht die Pressekonferenz von EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag im Anschluss an die Zinsentscheidung im Fokus. Mit Zinsänderungen wird nicht gerechnet, doch erhoffen sich einige Börsianer Hinweise von Trichet auf die weitere Versorgung der Geldmärkte. Denn nach wie vor ist der Interbankenhandel mit Liquidität überflutet, ohne dass das Vertrauen der Banken untereinander wiederhergestellt worden wäre. Ende September will die Notenbank zudem dem Geldmarkt weitere zusätzliche Gelder über einen Jahres-Tender zur Verfügung stellen.

Sicher ist, dass Trichet die Einschätzungen seines Stabes zur Entwicklung von Konjunktur und Inflation vorstellen wird. "Auch wenn die EZB-Projektionen einen etwas freundlicheren Konjunkturausblick zeichnen dürften: Mit irgendwelchen Zinserhöhungssignalen ist nicht zu rechnen", prognostizierte die Commerzbank in ihrem Wochenausblick.

Zudem steht die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes auf dem Prüfstand, am Donnerstag berät der Arbeitskreis Indizes. Für die VW-Stammaktien - die seit Einführung des Dax vor über 20 Jahren in dem Leitindex waren - könnten laut Börsianern damit die Tage in der ersten Börsenliga gezählt sein. Sollten am Montag auslaufende Optionen über 17 Prozent der VW-Stammaktien ausgeübt werden, sinkt der Streubesitz unter die für eine Dax-Mitgliedschaft erforderlichen zehn Prozent.

Dann dürften aber die stimmrechtslosen Vorzugsaktien in den Dax rücken, worauf an der Börse schon seit Wochen spekuliert wird. Letztlich bliebe Europas größter Autohersteller damit dann doch in der ersten Börsenliga vertreten. Einige Experten spekulieren zudem auf eine Rückkehr von Infineon in den Dax, wo sie wohl die Aktien von Hannover Rück ersetzen würden.

Von der Parlamentswahl in Japan erwarten Börsianer kaum Auswirkungen auf die internationalen Aktienmärkte. Auch von den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und dem Saarland dürften kaum Impulse für den Dax ausgehen. "Nur wenn sich die Stimmverhältnisse im Bundesrat verschieben, könnte das kurzfristig den Markt bewegen", erklärt Köhler.

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