Konjunktursorgen
Dax-Ausblick: Jetzt wird's spannend

Hat der Dax den Gipfel erreicht? Seit Tagen notiert er unter der einmal erreichten 5 000-Punkte-Marke. Auf dem Niveau könne er noch eine Weile verharren, glauben Optimisten. Doch die Stimmen der Warner werden lauter: Konjunktursorgen kehren verstärkt zurück. Technische Analysten warnen ebenfalls. Die kommende Woche wird spannend.

HB FRANKFURT. Bislang hat der deutsche Leitindex Unkenrufen getrotzt und ist ungeachtet aller Skepsis weiter gestiegen. Doch in den zurückliegenden Tagen schien dem Dax ein wenig die Luft auszugehen. 5 000 Punkte zeigte die Kurstafel schon seit Tagen nicht mehr an. Warner sehen die Zeit der Korrektur gekommen - oder zumindest bevorstehen. Optimisten sehen noch ein wenig Aufwärtspotenzial.

"Man bekommt den Eindruck, als setze der von vielen erwartete Realitäts-Check ein", sagt ein Händler. "Die Messlatte ist ja nach der Rally der vergangenen Monate sehr hoch gesetzt." Die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Wirtschaft hatte die Kurse seit März um mehr als 35 Prozent in die Höhe getrieben, zu Monatsbeginn erreichte der Dax ein Jahreshoch bei 5 177 Punkten. Doch nun sind sich die Investoren ihrer Hoffnung offenbar nicht mehr so gewiss: Allein in der abgelaufenen Woche büßte der Dax rund vier Prozent gegenüber dem Schlusstand vom vorigen Freitag ein.

Dem deutschen Aktienmarkt dürfte nun eine weitere wechselhafte Woche bevorstehen. Davon geht Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB aus: Die aufkeimenden Zweifel über ein schnelles Anziehen der Weltwirtschaft ließen Investoren vorsichtiger werden. Sie hätten Konjunkturdaten und negative Unternehmensnachrichten unterschiedlich aufgenommen; das habe dem seit Monaten andauernden Aufwärtstrend des Dax einen Dämpfer versetzt.

Nachhaltig positive Konjunkturimpulse blieben bisher aus, sagt Aktienstratege Steffen Neumann von der LBBW. "Ein Befreiungsschlag von der Konjunkturseite ist nicht eingetreten, und einen solchen erwarten wir auch in den kommenden Monaten nicht." Auch Daniel Schär von der Weberbank bleibt bei einem "verhaltenden Konjunkturausblick": "Die einzige spürbare Aufhellung, die derzeit weltweit zu beobachten ist, ist die der Stimmung bei Verbrauchern und Industrie." Beim Konsum würden sich beide Gruppen aber weiter zurückhalten. "Auch die dritte wichtige Nachfragesäule, der Staatskonsum, kommt mit Rekorddefiziten und sinkenden Steuereinnahmen zunehmend an seine Grenzen."

Trotz des Rückgangs der Inflation und ungeachtet der Konjunkturprogramme, zum Beispiel der Abwrackprämie, werde die zunehmende Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt den Konsum weiter hemmen, glaubt auch Anton Brender, Chef-Ökonom bei Dexia Asset Management. Der Aufschwung in Europa werde nur schleppend verlaufen und den Ausgleich der öffentlichen Haushalte erschweren. Brender geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone in diesem Jahr um rund vier Prozent sinkt und 2010 höchstens um etwas mehr als ein Prozent zulegt.

Aktien sind nicht mehr günstig

Die staatlichen Stabilisierungsprogramme zeigen zurzeit zwar eine volkswirtschaftliche Wirkung, sagt Arnim E. Kogge vom Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger, "dies ist aber bereits in den Aktienkursen ausreichend berücksichtigt". Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Aktien zeigen nach seiner Ansicht zudem, dass die Papiere "keinesfalls mehr günstig sind". Selbst ein weiteres Anziehen der Konjunktur hätten die Aktienmärkte also bereits vorweggenommen. Im besten Fall rechnet Kogge mit einer Seitwärtsbewegung, im negativen Fall eher mit einem Rückgang. "Weitere Kursanstiege sollten also eher für Verkäufe genutzt werden", empfiehlt der Aktienstratege.

Störfeuer für eine weitere Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten erwartet LBBW-Experte Neumann auch von der Unternehmensseite. Bereits im Wochenverlauf habe die Gewinnwarnung des Salz- und Düngemittelherstellers K+S für Verunsicherung der Anleger gesorgt. "Es ist auch weiterhin mit Ergebnisrevisionen der Unternehmen zu rechnen." In den vergangenen Monaten hätte der Markt bereits hohe Erwartungen eingepreist, die nun enttäuscht werden könnten.

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