Konjunktursorgen
Dax-Ausblick: Weiter starke Schwankungen

Die Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden, da schwappt die nächste Sorgen-Welle über die Aktienmärkte: Viele Beobachter halten eine Rezession für unausweichlich. Anleger müssen daher auch in der kommenden Woche mit starken Kursausschlägen rechnen, zumal spannende Nachrichten anstehen.

HB FRANKFURT. Die Erholungsrally an den weltweiten Börsenplätzen war nur von kurzer Dauer. Nach der Auflegung eines milliardenschweren Rettungspakets für das internationale Finanzsystem erholte sich der Dax zunächst in einem fulminanten Kraftakt. Unter dem Stich legte der deutsche Leitindex in der abgelaufenen Woche rund drei Prozent zu, schwankte dabei aber innerhalb einer Spanne von rund 900 Punkten. Die Freude über das konzertierte Eingreifen der Regierungen ist schnell der Ernüchterung gewichen. Die Politiker hatten Kapitalbeteiligungen an angeschlagenen Finanzinstituten sowie Garantien für den Interbankenhandel angekündigt.

Trotz Anzeichen einer leichten Entspannung sind die Geldmärkte noch immer weit davon entfernt, normal zu funktionieren. „Es bleibt auf jeden Fall spannend“, sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. „Die Verunsicherung bleibt hoch. Allerdings rückt das Thema Finanzkrise zunehmend in den Hintergrund und wird von der drohenden Rezession überlagert.“ Die Investoren spüren, dass die Finanzkrise erhebliche Belastungen für die Realwirtschaft mit sich bringen wird.

Konjunkturindikatoren weisen in die gleiche Richtung. Mehrere Indizes in den USA sind eingebrochen und haben damit deutliche Warnsignale ausgesendet. Sowohl der Empire State Index als auch der Philadelphia Fed Index und der Michigan Index sind im Oktober unerwartet stark abgesackt. Schwach hat sich auch der für die US-Wirtschaft so wichtige Einzelhandel entwickelt. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen ist ein regelrechter Rückzug der Konsumenten zu befürchten.

In Europa blieben derweil die ZEW-Konjunkturerwartungen hinter den Prognosen zurück. Auch hier sind die Aussichten alles andere als rosig. Nach Einschätzung von Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg, wird die Finanzmarktkrise dazu führen, dass viele Industrieländer in den kommenden Quartalen mit der Rezession zu kämpfen haben werden.

Schätzungen des IWF zufolge nimmt die kumulierte Wertschöpfung in einer Rezession, der eine Finanzkrise vorangegangen ist, zwei- bis dreimal so stark ab wie in normalen Abschwüngen. Grund: Die Finanzmärkte beeinflussen – so die Experten – die Konjunktur prozyklisch, weil Kreditvergabe und Leverage sowie die Entwicklung der Vermögenspreise die konjunkturelle Grunddynamik verstärken.

Wer nun auf die Emerging Markets gesetzt hat, muss enttäuscht sein. Der Baltic Dry Index, der wichtigste globale Handelsindikator, ist in den vergangenen Wochen mit einem Abschlag von mehr als 80 Prozent geradezu eingebrochen. Ölpreis und andere Rohstoffe wie Kupfer, Nickel oder Zink haben sich in etwa halbiert.

Auch nach Einschätzung der Commerzbank-Volkswirte kann trotz der zahlreichen staatlichen Rettungspakete keine Entwarnung gegeben werden. „Die beschlossenen Maßnahmen sollten verhindern, dass die Wirtschaft in eine mehrjährige Depression rutscht“, schreiben sie in einem Kommentar. „Aber unsere Analyse früherer Finanzkrisen legt den Schluss nahe, dass es ein Jahr dauert, bis sich die Wirtschaft erholt. Im Euroraum lässt sich eine Rezession wohl nicht verhindern.“

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