Konzerne hoffen auf Hilfe des Finanzministers
Eichel interveniert an der Wall Street

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will sich an der New Yorker Börse dafür einsetzen, dass sich deutsche Konzerne künftig leichter von US-Handelsplätzen zurückziehen können.

dri BERLIN. Unternehmen und Wirtschaftsverbände hätten sich bei Eichel darüber beschwert, dass ein Delisting derzeit praktisch kaum möglich sei, sagte Eichels Sprecher. Der Finanzminister werde daher am 4. Oktober, im Anschluss an die IWF-Tagung in Washington, nach New York reisen. In den Gesprächen dort soll es auch um Möglichkeiten einer besseren Zusammenarbeit zwischen den internationalen Börsen gehen.

Der Gang an die New York Stock Exchange oder an die Technologiebörse Nasdaq hat sich für die meisten deutschen Konzerne nicht gelohnt: Außer der SAP-Aktie werden deutsche Papiere nur in geringem Umfang gehandelt. Konzerne wie Allianz, Deutsche Telekom, Infineon, Deutsche Bank und Eon haben durch das US-Listing allerdings erhebliche Kosten. Sie müssen ihre Geschäftsberichte zusätzlich nach den US-Börsenregeln anfertigen und bei jeder Äußerung zur Geschäftsentwicklung die US-Börsenaufsicht SEC informieren.

Ein US-Listing lohnt sich nach Aussage des Industrieverbandes BDI nur bei großen Handelsumsätzen, die aber ausgeblieben sind. Ein kompletter Rückzug von den US-Börsen erweist sich jedoch als schwierig. Um bei der SEC ein Delisting durchzusetzen, muss ein Unternehmen nachweisen, dass es weniger als 300 Aktionäre mit US-Wohnsitz hat. Dazu muss es zunächst recherchieren, wer seine Aktien überhaupt hält.

Die Unternehmen fürchten zudem einen Anstieg der US-Börsenkosten ab 2005. Dann gilt der Sarbanes-Oxley-Act auch für ausländische Unternehmen. Dieses Gesetz, das nach den Bilanzskandalen von Enron und Worldcom in den USA eingeführt wurde, verschärft die Kontrollvorgaben an das Management erheblich. Nach einem Bericht des „Spiegel“ erschwert es den diskreten Rückzug: Jedes Unternehmen, dass sich jetzt verabschiede, gerate in Verdacht, die Regeln nicht erfüllen zu können. Eichel will jetzt darauf hinwirken, dass ein Rückzug sang und klanglos möglich wird, sobald das US-Handelsvolumen unter fünf Prozent des weltweiten Handels fällt.

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