Kritik am Finanzplatz Mailand nach Skandalen um Parmalat und Cirio
Italienische Börsenaufsicht prangert heimische Banken an

Im Zusammenhang mit den milliardenschweren Unternehmensskandalen von Parmalat und Cirio hat die italienische Börsenaufsicht Consob erstmals das Verhalten der einheimischen Geschäftsbanken kritisiert.

mab MAILAND. Consob- Präsident Lamberto Cardia sagte auf der Jahresversammlung der Behörde, dass diverse Kreditinstitute Anleihen der betreffenden Unternehmen an Privatkunden verkauft hätten, ohne sie hinreichend über die Risiken der Papiere aufzuklären. „Potenzielle Interessenkonflikte können die Banken dazu veranlassen, die Bond-Platzierung solcher Unternehmen zu fördern, denen sie selbst kein weiteres Geld mehr leihen wollen.“

Cardia nannte gestern weder Ross noch Reiter. Nach Ansicht von Finanzmarktbeobachtern bezieht er sich aber insbesondere auf den Fall des bankrotten Nahrungsmittelkonzerns Cirio. Hier haben auch nach Ansicht der Staatsanwaltschaft eine Vielzahl von Banken zwischen den Jahren 2000 und 2002 Kredite in Höhe von 600 Mill. Euro zurückgefordert und das Risiko im Gegenzug durch die Emission von Schuldverschreibungen auf Zehntausende von Kleinanlegern abgewälzt. Im Mittelpunkt der Vorgänge steht die ehemalige Cirio-Hausbank, Capitalia aus Rom. Insgesamt sind Bonds der Unternehmensgruppe im Volumen von 1,25 Mrd. Euro geplatzt

.

Aber auch jenseits der großen Skandale, die Italien im vergangenen Jahr erschüttert haben, stellt Cardia dem Finanzplatz keine guten Noten aus. Zu selten würden die Regeln zur guten Unternehmensführung (corporate governance) ausreichend beachtet. So seien bei 75 Prozent aller börsennotierten Gesellschaften die Minderheitsaktionäre nicht im Verwaltungsrat repräsentiert. Obwohl sich der Anteil der frei handelbaren Aktien im vergangenen Jahr auf 55 Prozent erhöht habe, seien die meisten Gesellschaften noch immer mehrheitlich in den Händen von Einzelpersonen oder Familien. „Das birgt die Gefahr einer übertriebenen Selbstbezogenheit (des Managements d.R.).“

Dass Parmalat und Cirio möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs sind, macht die sprunghafte Zunahme der Beschwerden von Investoren gegenüber der Consob deutlich: Nach rund 1 000 entsprechenden Fällen in 2002 hat die Börsenaufsicht im vergangenen Jahr über 3 000 Fälle von mutmaßlich unkorrektem Verhalten untersucht. In fast 500 Fällen (2002: 211) hat die Consob Unternehmen aufgefordert, dem Markt präzisere Informationen zu liefern. Um ihre Aufsichtsfunktion künftig besser durchführen zu können, fordert Cardia mehr Kompetenzen, mehr Geld und zusätzliche Mitarbeiter. Derzeit diskutiert das Parlament ein Gesetz, durch das die Consob zu einer machtvollen Behörde nach dem Vorbild der amerikanischen SEC umgebaut würde.

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