Künftig sind Kurse auch ohne Makler erlaubt
Frankfurter Börse modernisiert Handel

Am Donnerstag entscheidet der Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) über die Neuordnung des Parketthandels. In Frankfurt wird es neben der elektronischen Handelsplattform Xetra auch künftig einen Spezialistenhandel für weniger liquide Papiere geben.

cw FRANKFURT/M. „Wir legen jetzt die Grundpfeiler fest, die Details werden uns aber noch eine Weile beschäftigen“, heißt es aus dem Umfeld des Börsenrates, des obersten Kontroll- und Aufsichtsgremiums der Börse. Demnach wird es in Frankfurt neben der elektronischen Handelsplattform Xetra auch künftig einen Spezialistenhandel für weniger liquide Papiere geben. Ändern wird sich aber die Stellung der Skontroführer, die in diesem Segment für die Feststellung der Preise sorgen. Bisher werden die Skontren dauerhaft zugeteilt. In Zukunft wird die Leistung der Kursmakler regelmäßig beurteilt und Skontren können auch neu verteilt werden.

Mit den Maßnahmen bereitet sich die Börse auf den Wegfall des Bestandsschutzes für den Parketthandel vor, wie ihn das vierte Finanzmarktförderungsgesetz zum 1. Juli 2005 vorsieht. Danach ist es nicht länger zwingend, dass auf dem Parkett ein Makler einen Kurs feststellt. Im Umfeld der Börse heißt es aber, dass nicht geplant sei, zu diesem Termin ein völlig neues Modell aus dem Boden zu stampfen. Der Übergang solle schrittweise erfolgen und sich an dem bestehenden Konzept orientieren. Außerdem stehen weitere rechtliche Rahmenbedingungen noch nicht fest. Unter anderem warten die Marktteilnehmer auf die Anpassung der Wertpapierdienstleistungsrichtlinie im kommenden Frühjahr. Sie wird Aussagen zu den Orderbüchern machen. Heute arbeitet der elektronische Handel Xetra mit einem offenen Orderbuch, das jeder einsehen kann, der Parketthandel dagegen mit einem geschlossenen Orderbuch.

„Dass die Skontroführer künftig nach ihrer Leistung beurteilt werden sollen, ist weitgehend unstrittig. Schwieriger ist die Frage, nach welchem Modell die Skontren künftig verteilt werden sollen“, sagt ein Marktteilnehmer. Die Arbeit der Makler könne mit Kennziffern wie der Schnelligkeit der Orderbearbeitung oder der Qualität der Spreads beurteilt werden, heißt es aus dem Umfeld des Börsenrats. Es müsse aber noch ein Modell gefunden werden, wann genau ein Skontroführer sein Mandat verliere und wie dieses dann neu zugeteilt werde.

„Der Börse geht es darum, als Nachfolgemodell des klassischen Parketthandels ein Retail-Konzept zu entwickeln“, sagt ein Mitglied des Börsenrates. Erste Vorbereitungen hat die Deutsche Börse schon getroffen. Smart-Trading, das im vergangenen Herbst gestartete Derivate-Segment der Frankfurter, wurde inzwischen auf den gesamten Privatanlegerbereich ausgedehnt.

Aktionärsschützer begrüßen die stärkere Ausrichtung der Frankfurter Börse auch auf Private. „Wichtig ist, dass der Markt sich weiter qualitativ verbessert. Frankfurt lag da in der Vergangenheit hinter den Regionalbörsen zurück“, sagt Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Ob es dabei noch ein Parkett gebe oder nicht, sei höchstens für Marketing-Überlegungen wichtig. Die Börse München mache vor, dass das Wertpapiergeschäft auch ohne diesen traditionellen Handelsraum funktioniere.

Die Regionalbörsen wird an den geplanten Veränderungen in Frankfurt vor allem interessieren, auf welcher technischen Plattform der Handel künftig stattfindet. Heute läuft der Parketthandel über das Xontro-System, das auch die Regionalbörsen nutzen. „Über kurz oder lang werden wir auch für den Spezialistenhandel die technische Plattform von Xetra nutzen“, erwartet ein Mitglied des Börsenrats. Xontro sei zu alt, um dauerhaft eine Rolle zu spielen. Für die Regionalbörsen bedeutet das, dass der größte Nutzer entfällt, der einen beachtlichen Anteil der Kosten trägt.

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