Kundendaten
Schnüffelaffäre erschüttert Finanzdienst Bloomberg

Bunte Tastaturen, orange Schrift auf schwarzem Grund: Bloomberg-Rechner fallen auf und sind das Lebenselixier der meisten Finanzprofis. Doch die Reporter des Anbieters nutzten sensible Kundendaten für Recherchen.
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WashingtonDer Finanzdienstleister Bloomberg steht wegen seines Umgangs mit Kundendaten unter Druck. Die US-Notenbank, das US-Finanzministerium und weitere Kunden kündigten am Wochenende Untersuchungen an, inwieweit vertrauliche Informationen verletzt wurden. „Wir schauen uns die Lage an und sind mit Bloomberg in Kontakt, um mehr herauszufinden“, sagte eine Sprecherin der Notenbank Fed.

Journalisten von Bloomberg News konnten bislang einige Kundendaten der etwa von Banken, Händlern und Hedgefonds genutzten Bloomberg-Computerterminals abrufen - etwa, wann diese sich zuletzt eingeloggt, wie oft sie das Messaging-System genutzt oder für welche Themenfelder sie sich interessiert haben, etwa Aktien oder Anleihen.

„Als der Fehler erkannt wurde, haben wir unverzüglich gehandelt“, schrieb Bloomberg-Chef Daniel Doctoroff in einer Stellungnahme. Journalisten hätten schon seit vorigem Monat keinen Zugriff mehr auf diese Daten, nachdem sich ein Kunde beschwert hatte. Diese hätten auch zuvor nicht sehen können, welche Artikel von Kunden gelesen oder welche Wertpapiere sie sich angeschaut haben. Zudem sei die Stelle eines Datenschutzbeauftragten geschaffen worden. Dieser solle sicherstellen, dass Mitarbeiter der Nachrichtenagentur keinen Zugriff auf vertrauliche Kundendaten mehr erhalten.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Beschwerde von Goldman Sachs. Ein Partner der US-Bank wurde von einem Bloomberg-Reporter nach dem Beschäftigungsverhältnis eines Kollegen befragt - mit dem Hinweis, dass sich dieser schon einige Zeit nicht mehr in seinen Terminal eingeloggt habe. Goldman Sachs war bis dahin nicht bewusst, dass Journalisten Zugang zu solchen Informationen hatten.

Einem Bericht der Nachrichten-Website Buzzfeed zufolge, soll allerdings schon im Jahr 2011 Bloomberg wegen der Praxis einmal aufgeschreckt worden sein. Damals habe ein Moderator des konzerneigenen Fernsehsenders den Zugriff der Reporter auf Kundendaten erwähnt und es habe entgegen anderer interner Ankündigungen damals keine Beschneidung der Zugriffsrechte für die Reporter gegeben.

Für Bloomberg arbeiten weltweit etwa 2400 Journalisten. Der Konzern hat mehr als 315.000 Terminal-Abonnenten. Sie sorgten 2012 für einen Großteil des Jahresumsatzes von 7,9 Milliarden Dollar. Thomson Reuters , die Mutter der Nachrichtenagentur Reuters, konkurriert mit Bloomberg. Reuters-Journalisten hätten keinen Zugang zu vertraulichen Kundendaten, hieß es in einer Stellungnahme von Thomson Reuters.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kundendaten: Schnüffelaffäre erschüttert Finanzdienst Bloomberg"

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  • Naive Welt.
    Es ist so sicher wie ein Naturgesetz, daß alle unsere Daten eingesehen und verwendet werden.
    Goggle sammelt jeden Klick, Facebook sammelt das soziale Umfeld, Evernote sammelt Gedanken und Ideen....
    Das Handy bzw. das Navigationsystem erstellt ein Bewegungsprofil....

    Die Datenschutz-Gesetze sollen nur beruhigen, glaube ich. Denn mit wenigen Maßnahmen könnte die deutsche Regierung ja schließlich die Daten der Deutschen vor Spionage schützen, indem z.b. deutsche Daten nur in Servern in Deutschland abgelegt werden dürfen. Oder indem an den Internetknoten eine Anynomisierung durchgeführt würde.

    Keiner tut was, bis das Kind mal so richtig in den Brunnen gefallen ist.

  • So langsam dürften auch die Dümmsten begreifen, dass das ganze angelsächsisch dominierte Finanzkonglomerat (Groß- und Investmentbanken, Ratingagenturen, Hedgefonds und Private-Equitiy-Gesellschaften) schon immer Hand in Hand arbeitet. Wissensvorsprünge von Insidern werden innerhalb "eingeweihter", exklusiver Zirkel weitergereicht und dazu genutzt, sich auf Kosten des ahnungslosen und gutgläubigen Rests der Welt betrügerisch und unermesslich zu bereichern.

    Und wenn's mit Wissen nicht reicht, werden halt im großen Stil Daten und Fakten manipuliert.

    Eine modifizierte Form von angelsächsischem Kolonialismus und Imperialismus.

  • Vor allem: Die erkennen jeden ihrer Kunden perönlich anhand seines Terminals. Anders beispielsweise als Informationsbewchaffung in anonymen Internetcafes. Wenn ich so eine Session "auf dem Kabel" (packetsniffing) "mitschneide" oder "logge" (also automatsich mictschreieb was sich der trader wann angesehen hat) läßt das Rückschlüsse auf das Investitionsverhalten des Traders einer Fondsgesllschaft zu.

    Genau wie ja auch der Supermarktbetreiber sich seine "Charts", die "Liste der meist verkauften Produkte" ansieht und anhand automatiserter Bestellisten aus der EDV weiß daß er beispielsweise jeden Tag kistenweise Milch nachbestellen muß weil die - da sie verkauft/nachgefragt wurde - im Regal fehlt. DAs Fehlen im Regal läßt also Rückschlüsse auf den Verbrauc im Einzugsbeit des Marktes zu. Und das ist hier genauso. Das Ansehen bestimmetr Kenndaten im Bloomberg und der darauf folgende Kauf bestimmmter Aktien.

    Wer die abgefragten Daten von Bloomberg/Reuters (das ist das alles zu meinen Zeiten noch BSD/IPv4-basiert) in Relationen zu Kaufentscheidungen setzen kann der kann die aktuelle Strategie einer Investmentbank problemlos errechnen. Und wenn ich weiß wann jemand anderes für gewöhlich einkauft kann ich ihm für diesen Moment die Preise durch künstliche Verknappung also durch eigene Nachfrage Stückzahllimiteirter Anteisscheine hochtreiben. Indem ich selbst kaufe und direkt an den wirklichen Interessenten mit einer Gewinnmitnahme wieder verkaufe.

    Am spannendsten wird allerdings wenn ich Content-Filter einsetze und PERSONALISIERTE KAUFENTSCHEIDUNGEN anbiete,

    http://de.wikipedia.org/wiki/Webwasher

    beispielsweise jncht der billgste Supermarkt sondern der billigste abhängig vom per Handy-GPS übermitteltem Standort

    http://www.hotelmarketingstrategies.com/predictive-technology-is-here/
    http://ibm-business-analytics.com/2011/08/16/predictive-analytics-the-minority-report-its-easier-to-prevent-a-crime-than-solve-one/

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