Kurse brachen jeweils um rund 80 Prozent ein
Fannie und Freddie droht Börsen-Aus

Den beiden angeschlagenen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac droht nach ihrer Verstaatlichung nun der Ausschluss von der New Yorker Börse.

HB NEW YORK/FRANKFURT. Die Aktienkurse am New York Stock Exchange (NYSE) sind nach der Rettungsaktion um jeweils über 80 Prozent abgestürzt. Hintergrund ist, dass die Papiere durch die Regierungsmaßnahmen weitgehend entwertet werden. "Wir arbeiten sehr eng mit beiden Unternehmen zusammen und sprechen regelmäßig mit ihnen", sagte ein Sprecher des NYSE-Aufsichtsgremiums am Dienstag. "Wir werden sehen, wie die Sache ausgeht."

Sollten die Anteilsscheine auch in den kommenden 30 Tagen im Schnitt unter einem Dollar schließen, haben die beiden Banken nach den Statuten der NYSE nur noch ein halbes Jahr Zeit, um den Kurs wieder über diese Schwelle zu bringen. Ansonsten werden sie von der Börse genommen. Die NYSE behält sich nach eigenen Angaben allerdings Sonderregelungen vor. Vor Beginn der Finanzkrise hatten die Aktien von Fannie und Freddie einen Kurs von jeweils mehr als 74 Dollar.

Die möglicherweise teuerste staatliche Übernahme in der Geschichte Amerikas sorgte unterdessen weiter für positive Reaktionen: Die Verstaatlichung habe in den angeschlagenen Finanzmärkten wieder für Vertrauen gesorgt, sagte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Auch IWF-Vizedirektor John Lipsky erklärte in Frankfurt, der Schritt werde helfen, den Immobilienmarkt, das Bankensystem und die Wirtschaft generell zu stützen. Der russische Finanzminister Alexej Kudrin äußerte die Hoffnung, dass Fannie und Freddie den Weg aus der Krise fänden.

Nach dem Kursfeuerwerk am Vortag herrschte an den Börsen am Dienstag mehr Zurückhaltung. Marktteilnehmer erklärten, der Rettungsplan für die Hypothekenfinanzierer habe zwar die Stimmung verbessert, aber nichts grundlegendes an der Finanzkrise geändert. Erneut spielte die Sorge über die Lage der Weltwirtschaft eine Rolle. In Tokio schloss die Börse tiefer. Die europäischen Märkte bauten dagegen ihre Gewinne vom Montag bis zum Nachmittag leicht aus. In den USA deuteten die Futures-Märkte auf einen positiven Start in den Handeltag. Dazu trug auch ein Rückgang der Ölpreise bei.

Die vorübergehende Verstaatlichung von Fannie und Freddie, die gemeinsam rund die Hälfte aller US-Hypotheken mit einem Wert von rund sechs Billionen Dollar garantieren, ist die jüngste von zahlreichen Hilfsaktionen der US-Regierung für die beiden Hypothekenfinanzierer. Die Regierung will zunächst mit je einer Milliarde Dollar bei beiden Unternehmen einsteigen. Falls nötig könnte der Staat insgesamt bis zu 200 Mrd. Dollar in beide Unternehmen stecken - das wäre die teuerste staatliche Übernahme in der US-Geschichte. Die genaue Summe hängt von der Entwicklung des Häuser-Marktes ab. Ein Zusammenbruch der beiden Institute hätte einen Domino-Effekt auslösen und zahlreichen Unternehmen mit in den Ruin reißen können.

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