Kurseinbrüche
Arabische Börsen gehen auf Talfahrt

An den arabischen Börsen dominiert die Unsicherheit. Nach drei Jahren andauernder Rally müssen die Anleger in Saudi-Arabien, Dubai, Kuwait und Ägypten heftige Kursabschläge hinnehmen. Allein der Dubai-Financial-Market-Index gab am Dienstag um zwölf Prozent nach. Die Kursverluste an der Börse summieren sich in diesem Jahr bereits auf 40 Prozent.

DÜSSELDORF. Kaum besser ergeht es den Anlegern in Saudi-Arabien. Der Tadawul All Index sank seit Ende Februar um 25 Prozent. „Es ist kein Bargeld im Markt“, sagt Majdi Mansur, Chef der Rasmala Financial Brokerage in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). „Die Kleinanleger machen Kasse, um in neue Börsengänge zu investieren und die Institutionellen schauen zu.“

In Saudi Arabien alarmierten die Verluste sogar die Politiker. Mitglieder des Parlamentes forderten Finanzminister Ibrahim al Assaf auf, sofortige Schritte einzuleiten, um einen Börsencrash zu verhindern. Ägypten, dessen Börse seit Februar um 28 Prozent eingebrochen ist, entsandte Premierminister Ahmed Nazif zu einer Euromoney-Konferenz nach London, auf der die gefährliche Lage an den arabischen Kapitalmärkten auf der Tagesordnung steht. In Kuwait stemmt sich die Regierung mit staatlichen Geldspritzen gegen den Verfall. Dennoch sank der Index auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2005. In den VAE will sich die Regierung allerdings nicht einmischen. „Das ist nur eine Korrektur, kein Crash“, sagte Omar bin Sulaiman, Generaldirektor des Dubai International Financial Centre.

Die arabischen Börsen haben in den vergangenen drei Jahren einen gewaltigen Boom erlebt. Die sprudelnden Petrodollars schleusten 650 Mrd. Dollar in die Aktienmärkte. Allein Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, nahm 2005 mehr als 160 Mrd. Dollar zusätzlich aus Ölverkäufen ein. Bis vor einigen Jahren legten die arabischen Ölmagnaten ihr Geld vorzugsweise in den USA an. Jetzt fließt das Geld in die eigene Region zurück. Nicht nur, weil die USA striktere Kapitalkontrollen eingeführt haben, sondern auch, weil sich neue Investitionschancen in den Golfstaaten bieten. Die sechs Mitglieder des Golf-Kooperationsrates (GCC) haben milliardenschwere Investitionsprojekte aufgelegt, um sich unabhängiger vom Erdöl zu machen. Sichtbar ist das vor allem in Dubai, das sich zu einem Finanz-, Handels- und Logistikzentrum am Persischen Golf entwickeln will. Der Kursverfall spiegelt aber auch Umschichtungen in der Börsenlandschaft wider.

Täglich drängen neue Unternehmen an die Finanzmärkte. Über hundert sind es in diesem Jahr – mehr als doppelt so viele wie 2005. Unter ihnen finden sich Schwergewichte wie Emirates Integrated Telecommunications, der zweitgrößte Telekombetreiber in den VAE. Er will 20 Prozent des Unternehmens im Wert von 2,42 Mrd Dirham (rund 550 Mill. Euro) an der Börse platzieren. Das IPO von Tamwheel, einer in Dubai ansässigen Immobilien-Kreditgesellschaft, war 500-fach überzeichnet. Darunter leiden selbst etablierte Unternehmen wie der Immobilienkonzern Emaar Properties aus Dubai. Die Emaar-Aktie gab in diesem Jahr schon um 26 Prozent nach.

Nach Ansicht von Analysten herrscht zur Zeit Konfusion im Markt. „Alle sind besorgt, wohin sich die Börsen bewegen“, sagte Hamood Abdullah al Yasi, General Manager der Emirates International Brokerage, den „Gulf News“. „Ein wenig ist es so, als platzte eine Blase.“

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