Kursschwankungen
Am Tropf der Wall Street

Selten zuvor war die deutsche Börse so abhängig von der Wall Street wie jetzt. Weil die Kurse in den USA deutlich schwanken, wackeln auch die deutschen Aktien ungewöhnlich stark. Investoren und Händler messen den amerikanische Futures derzeit eine stärkere Bedeutung zu als den heimischen Unternehmensdaten.

FRANKFURT. Kräftige Kursgewinne am Morgen, am Ende aber deutlich verloren - oder umgekehrt. Selten zuvor waren die Tagesschwankungen an den Aktienmärkten so extrem wie in den vergangenen Tagen. Und selten zuvor waren die Börsen weltweit so abhängig von der Wall Street wie jetzt. "Es ist erschreckend zu sehen, dass der Dax im Moment überhaupt kein Eigenleben mehr hat", sagt Carsten Klude vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. Stattdessen blickt man täglich wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange auf die US-Futures, die die Richtung dort ab der Wall Street-Eröffnung um 15.30 Uhr hiesiger Zeit vorgeben.

Viele europäische Analysten und Vermögensverwalter sind in ihren Tages- und Wochenreports inzwischen dazu übergegangen, mit ihren Prognosen für den US-Markt einzusteigen und erst hinterher einen Blick auf den heimischen Markt zu werfen. Die Aussage daraus ist eindeutig: Zuerst bewegt hier die Kurse, was dort passiert. Erst dann zählen die Daten aus der Heimat.

Hauptgrund für die völlige Abhängigkeit vom New Yorker Handel sind die extremen Tagesschwankungen dort, die es in dieser Form in Europa zwar immer wieder gab, die für den US-Handel aber außergewöhnlich sind. Verluste von 3,4 Prozent zu Wochenanfang im Dow Jones, knappe drei Prozent am Montag der Vorwoche und fast vier Prozent am folgenden Dienstag sind historisch betrachtet sehr auffällig. Zumal der weit über 100 Jahre alte Dow Jones Industrial Average Index, so der vollständige Name, unter Börsianer als schwerfällig gilt. Zahlreiche traditionsreiche Unternehmen wie Coca-Cola, Procter & Gamble oder Exxon sind im Index vertreten.

Den Futures für den Dow, aber auch für den sehr viel breiter angelegten S&P 500 und für die technologielastige Nasdaq messen europäische Investoren und Händler deswegen im Moment weitaus größere Bedeutung zu als heimischen Konjunktur- und Unternehmensdaten. Täglich ab der Mittagszeit gehen deswegen die Blicke auf das, was der Börsentag in New York bringen wird. Es sei nun mal nicht ratsam, einige der durchaus positiven Indikatoren auch als solche zu werten, wenn der S&P 500-Index unter seine Tiefststände vom vergangenen November falle, sagt Ralf Zimmermann vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Überhaupt ist die Stimmung im Keller. Viele europäische Investoren rücken die Ursprünge der aktuellen Krise wieder stärker in den Vordergrund. Solange sich die Situation auf den Immobilien- und Finanzmärkten in den USA nicht stabilisiert, ist auch an den Börsen weltweit nicht mit einer Beruhigung zu rechnen, heißt es.

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