Kursverluste halten sich in Grenzen: Asiens Börsen trotzen der Vogelgrippe

Kursverluste halten sich in Grenzen
Asiens Börsen trotzen der Vogelgrippe

Trotz der beunruhigenden Nachrichten über die Tierseuche überwiegt bei Analysten der Optimismus. Kursverluste gibt es lediglich bei Hühnerzüchtern und Fluglinien.

BANGKOK/PEKING. Die Vogelgrippe hat an den Börsen in Südostasien zwar Kursverluste ausgelöst, diese hielten sich außer in Thailand allerdings in Grenzen. Die meisten Fondsmanager trauen den Aktienmärkten der Region weiterhin überdurchschnittliche Kurschancen zu. Allerdings beobachten die Börsenprofis die Entwicklung sehr genau. Denn sollte sich der Erreger der Tierseuche so verändern, dass er sich unter Menschen epidemisch ausbreitet, würde sich das Szenario grundlegend ändern.

Am stärksten leidet Thailands Börse, die im Vorjahr noch alle Handelsplätze in Asien ausgestochen hatte, unter der Vogelgrippe. Seit Publikwerden des Ausbruchs vor zwei Wochen fiel der Leitindex SET um zwölf Prozent. Am Montag stürzte er um 4,5 Prozent ab, gestern erholte sich der Markt wieder um fünf Prozent. Solange der Ausbruch nicht unter Kontrolle kommt, rechnen Analysten mit neuen Einbrüchen. Die langfristig guten Wirtschaftsaussichten der Region stehen für viele aber noch nicht in Zweifel. Aktienstrategen wie Supavud Saicheua sehen die Kursverluste deshalb als Kaufgelegenheit. „Anleger sollten beginnen, Aktien in Thailand und Indonesien zu akkumulieren,“ rät der Merrill-Lynch-Analyst. Er erwartet, dass die schlechten Nachrichten bald abebben und schätzt, dass der SET das Jahr mit 860 Punkten abschließt, was einem Plus von einem Viertel entspräche.

Die Kursverluste der vergangenen Tage hält Jun Trinidad, Citigroup-Analystin in Bangkok, jedoch für eine Überreaktion. „So lange aus der Vogelgrippe keine Epidemie biblischen Ausmaßes wird, trübt die Krankheit die Konjunkturaussichten nicht“, meint sie. Die Furcht, die Vogelgrippe könne sich als gleich schlimm oder sogar ernster als SARS erweisen, hält sie für übertrieben. Angesichts einer guten Konjunktur, eines Zustrom von ausländischen Investitionen und steigender Exporte bleiben Thailands Wachstumsaussichten ihr zufolge gut. Selbst ein Totalausfall der Geflügelproduktion würde Trinidad zufolge Thailands Wachstum dieses Jahr nur um 0,3 Prozent bremsen.

Die Seuche bedroht hauptsächlich die Tourismusindustrie, die sechs Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht und bereits im Vorjahr durch die Lungenkrankheit SARS gelitten hatte. Für die Analystin ist ein Einbruch dieser Branche um neun bis zehn Prozent in diesem Jahr sehr wahrscheinlich. Das würde Thailand um Einkünfte in Höhe von 423 Millionen Dollar bringen.

Dementsprechend gaben in Asien hauptsächlich Tourismuswerte nach. So fiel gestern die in Singapur gelistete Kreuzfahrtenreederei Star Cruises um mehr als sechs Prozent. Hongkongs führende Fluggesellschaft Cathay Pacific verlor über zwei Prozent. Merrill Lynchs Fluglinien-Analyst Simon Gresham rechnet allerdings nicht damit, dass in nächster Zeit Reisewarnungen ausgesprochen werden wie während des SARS-Ausbruchs im Vorjahr. Er gewichtet die Branche weiterhin „neutral“. In Südkorea blieben die die Kurse von Fluglinien und Reiseveranstaltern bislang stabil. Insgesamt zeigte sich die Börse dort unbeeindruckt, obwohl die Aktien der stark betroffenen Hühnerzüchter verloren.

Auch in China verloren hauptsächlich die Werte, die unmittelbar mit der Krankheit in Zusammenhang standen, wie der börsennotierte Hühnchenzüchter Dajiang, der 2,7 Prozent einbüßte. Andere Werte waren sogar wieder stärker gefragt. Petrochina gewannen mit steigenden Öl-Futures in New York. Die Fluggesellschaft China Southern legte zu, weil sich Reise-Stornierungen bislang in engen Grenzen hielten.

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong brachte es Conita Hung von der Delta Asia Financial Group auf den Punkt: „Die Vogelgrippe liefert nach kräftigen Kursgewinnen einen Vorwand für Gewinnmitnahmen. Die Krankheit ist nur eine Erklärung für die Unsicherheit, die andere ist das Korrekturbedürfnis.“ Der Hang-Seng-Index hatte im vergangenen Jahr über 35 Prozent zugelegt, der H-Aktienindex der in der Stadt notierten China-Aktien sogar über 150 Prozent. In Shanghai erholten sich die Werte im Tagesverlauf wieder etwas – obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO gestern monierte, sie habe nach zwei Wochen noch keine offizielle Antwort von Chinas Behörden auf wichtige Fragen zur Prävention. Und selbst Ministerpräsident Wen Jiabao musste eingestehen, dass „die Bedingungen der Geflügelzucht in den ländlichen Gebieten veraltet sind, was die Prävention besonders schwierig macht“. Im Klartext: Von einem Sieg gegen die Tierseuche kann noch keine Rede sein. Um die Nervosität der Märkte zu dämpfen, hatte die Regierung in Peking am Montag eine schärfere Aktienmarktaufsicht angekündigt und damit Kursgewinne ausgelöst. Diese bröckelten gestern aber wieder ab.

Indonesiens Börse fiel gestern um drei Prozent, nachdem die Regierung erklärt hatte, dass das Land von der auch für Menschen gefährlichen Vogelgrippe-Variante betroffen sei. Auch Singapur tendierte schwächer. In Japan gab es zwar den ersten Fall von Vogelgrippe seit 80 Jahren. Dieser Einzelfall bewegte die Märkte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt jedoch nicht.

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