Langfristige Geldanlagen rücken in den Vordergrund
Deutschland ist Derivate-Weltmeister

Egal, wer am 4. Juli Fussball-Europameister wird, Deutschland ist bereits heute Weltmeister – in der Kategorie Finanzderivaten. Seit der Novellierung des Börsengesetzes und Einführung der Börsentermingeschäftsfähigkeit im Jahr 1989, die für eine Differenzierung dieses Segments gesorgt hat, haben die innovativen Produkte einen Quantensprung erlebt.

HB DÜSSELDORF. Allein 2003 lagen die Umsätze aller derivativen Wertpapiere bei über 160 Mrd. Euro. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber 1999, dem Gründungsjahr der Euwax, die wesentlichen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte hat.

Betrachtet man diese Entwicklung von ihrem Ursprung her, so war zunächst gar nicht Deutschland, sondern vielmehr die Schweiz Mutterland des Derivate-Geschäfts. Heutzutage hat Deutschland die Eidgenossen allerdings durch die Breite des Produktangebots und die Effizienz der Vertriebsstrukturen überholt. In den USA ist bis heute kein nennenswerter Markt für derivative Wertpapiere entstanden; insbesondere das regulatorische Umfeld mit der Prüfung von Wertpapierprospekten durch die SEC und dem schwierigen Zugang zu den Börsen ist nicht besonders förderlich für die schnelle Emission von Wertpapieren, wie es Derivate typischerweise sind. Ähnliches gilt für zahlreiche andere Länder.

In Deutschland sind heute nahezu alle derivativen Wertpapiere über die Börsen handelbar. Gerade dieser Komfort aus Anlegersicht unterstützt den Paradigmenwechsel, der sich im deutschen Derivate- Markt vollzieht: Standen ursprünglich fast ausschließlich Hebelprodukte in der Gunst einer kleinen Community von Derivate-Spezialisten unter den Privatanlegern, so gewinnen heutzutage zunehmend Derivate für die langfristige Geldanlage an Bedeutung und Marktanteil – verbunden mit einer deutlichen Verbreiterung der Anlegerschaft. Im europäischen Ausland dagegen hat sich dieser Wandel von Spekulations- zu Anlageprodukten so gut wie noch gar nicht vollzogen.

Ausgeprägter Wettbewerb

Typisch für wachsende Märkte ist ein ausgeprägter Wettbewerb unter den Marktteilnehmern. Bei Derivaten betrifft dies neben den Emittenten, wo sich heute fünf Häuser 75 Prozent des Marktes aufteilen, vor allem die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Börsenplätzen. Erinnert man sich an die Anfänge des Handels mit Optionsscheinen in Deutschland, so stand vor allem die Konkurrenz zwischen Frankfurt und Düsseldorf im Blickpunkt der Szene. Dass schließlich die Stuttgarter Börse mit der Euwax das Rennen gemacht hat, ist aus Sicht einer Privatbank wie Sal. Oppenheim gut nachvollziehbar: Die Schwaben setzten im entscheidenden Moment auf eine elektronisch unterstützte Lösung, bei der weiterhin Menschen im Mittelpunkt des Börsenhandels stehen. Gleichzeitig richtete sich die Börse explizit an den Bedürfnissen von Privatkunden aus und bot ihnen einen entsprechenden Service. Aus technischer Sicht vorteilhaft war die fortlaufende Anpassung des Marktmodells und eine klare Produktsegmentierung.

Dadurch ist es der Euwax möglich, immer wieder neue Wellen von Produkten aufzunehmen, wie sie bei der Entwicklung des Derivate-Marktes typisch sind: Zunächst mit Währungs-Optionsscheinen und Optionen auf Zinsen. Mitte der 90er Jahre veränderte sich der Fokus in Richtung Aktienmarkt. Schließlich entwickelte sich der Markt zweigleisig, indem Anleger einerseits Turbos nachfragten, gleichzeitig aber auch Risiko reduzierende Anlageprodukte größere Bedeutung erlangten. Der Handelsplatz für derivative Wertpapiere kann so immer wieder neue Investment- Trends durch seine offene Architektur begleiten.

Alle Emittenten haben davon profitiert, dass die Euwax ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag durch die Aufklärung der Anleger über die neuen Anlagemöglichkeiten gerecht wurde.

Banken, Börsen, wie auch die Emittenten können sich in Zukunft auf ein enormes Wachstum einstellen. Denn die bisherige Marktentwicklung bei Derivaten hat bis heute gerade einmal ein Prozent aller Deutschen erreicht, die mit diesen Produkten ihr Vermögen aufbauen und mehren. Von diesen aktiven Anlegern, die sich selbst mit ihrer Geldanlage auseinander setzen, beschäftigen sich rund 75 Prozent erst seit höchstens zwei Jahren mit Derivaten. Das Wachstumspotenzial ist also enorm. Und die Euwax, die schon die Weltmeister von heute zu einem wesentlichen Teil mit hervorgebracht hat, bietet den Emittenten alle Möglichkeiten, den deutschen Derivate-Markt gemeinsam erfolgreich weiter zu entwickeln.

Siegfried Piel ist Managing Director und leitet die Equity Derivatives Group bei Sal. Oppenheim in Frankfurt/Main.

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