Lanxess
Zu früh, zu groß, zu teuer

„Generell bleiben Akquisitionen ein wichtiger Bestandteil der Strategie von Lanxess, um die Lücke zum Wettbewerb zu schließen.“ Mehr mochte Vorstandschef Axel Heitmann in der Hauptversammlung des Leverkusener Chemieunternehmens Ende Mai nicht sagen.

DÜSSELDORF. Inzwischen jedoch hat es Gespräche gegeben, unter anderem mit Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben. Die Politikerin wollte lediglich ausloten, wie es um die Chemieindustrie am traditionellen Standort bestellt ist. Und ob es vorstellbar sei, dass aus Lanxess und der gerade voll dem Essener Industriekonzern RAG zugeschlagenen Degussa einen neuer starker Chemie-Player am Standort werden könnte.

Bevor nun Lanxess oder Degussa noch mehr im Ausland investierten, so ein Denkansatz der NRW-Landesregierung, wäre es doch besser, sie vor Ort zu unterstützen – indem man sie zu einer schlagkräftigeren Einheit verkuppelt. Hintergedanke der Ministerin: Damit ließe sich womöglich ein höherer Erlös für die Abdeckung der Kohlealtlasten im Ruhrgebiet erzielen als mit einem Börsengang der Essener RAG, bei der die Degussa nur ein Teil des Geschäfts wäre.

Analysten sehen darin zwar eine Möglichkeit zum Strategiewechsel bei Lanxess. Das MDax-Unternehmen würde sofort auf Wachstum ausgerichtet. Doch an Synergien ist nicht viel zu erkennen. Zu unterschiedlich sind die Produktionsfelder und Kundenkreise. Lanxess beliefert die Hersteller von Reifen (Geschäftsfeld Kautschuk), fertigt Kunststoffe für die Hersteller von Haushaltswaren, Automobilen, Elektro- und Medizintechnik (Polymere), gehört bei Basis- und Feinchemikalien zu den weltweit führenden Unternehmen, und hält eine gute Position mit Spezialchemikalien.

Degussa bezeichnet sich zwar selbst als weltweite Nummer eins in der Spezialchemie, ist aber in ihren drei großen Segmenten auf die Pharmaindustrie, auf Produkte und Wirkstoffe zur Herstellung konsumnaher Produkte sowie auf Hochleistungsmaterialien beispielsweise für die Optoelektronik ausgerichtet.

Für einen aus industrieller Sicht sinnvollen Verbund sprechen die räumliche Nähe der beiden Konzernzentralen und Degussas dezentrales Geschäftsmodell. Degussa hat zudem nach der Fusion von Degussa-Hüls mit SKW Trostberg das Portfolio kräftig bereinigt. Seit 2001 hat sie mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz abgegeben, etwa ein Drittel des ursprünglichen Gesamtvolumens. Somit würde Degussa die Erfahrung bei der Bereinigung von Geschäftsfeldern mitbringen, einer Aufgabe, mit der sich Lanxess-Chef Axel C. Heitmann derzeit noch intensiv beschäftigt.

Die meisten Analysten sehen das Fusions- oder Übernahme Szenario wenig aufgeregt. Ihr gemeinsamer Tenor: unrealistisch. Zum einen sei Degussa (Umsatz 11,8 Milliarden Euro) deutlich größer als Lanxess (7,1 Milliarden), zum anderen werde die RAG an Degussa zumindest bis zum eigenen Börsengang im kommenden Jahr festhalten.

Eine mit Krediten (9 bis 19 Milliarden Euro) finanzierte Übernahme der Degussa würde zudem das Kreditprofil von Lanxess deutlich verschlechtern. Da ist lediglich denkbar, dass Lanxess kleinere Einheiten übernimmt, die dann unmittelbar zum eigenen Geschäft passen.

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