Leerverkäufe auf Finanztitel vorübergehend gestoppt
Börsenaufsicht legt Shortseller an die Leine

Wegen der Turbulenzen auf dem Finanzmarkt haben die britische und die amerikanische Finanzaufsicht Börsenwetten auf fallende Kurse einen Riegel vorgeschoben. Seit Mitternacht sind sogenannte Leerverkäufe auf Finanztitel vorübergehend verboten.

HB FRANKFURT/LONDON/NEW YORK. Bei Leerverkäufen verkaufen Investoren Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich von Dritten gegen Gebühr ausleihen, um diese anschließend sofort zu verkaufen. Sie tragen damit zu Kursverlusten bei und decken sich im Anschluss wieder billiger mit den gleichen Titeln ein, um sie dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie als Gewinn ein. In der Regel betätigen sich Hedge-Fonds als Shortseller.

In Deutschland sieht sich die Commerzbank als Opfer solcher Hedge-Fonds. Experten sehen solche Geschäfte als einen Grund für den Niedergang der Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS), die am Donnerstag vom Finanzkonzern Lloyds übernommen worden war.

Die US-Börsenaufsicht SEC und die britische Finanzaufsicht FSA schieben diesem Treiben seit gestern einen Riegel vor. Während die SEC ihre Regeln für Leerverkäufe verschärft hat, ist es in Großbritannien ab sofort bis Januar 2009 verboten, Aktien von Finanzwerten leer zu verkaufen oder bestehende Shortpositionen auszubauen.

In New York hat Generalstaatsanwalt Andre Cuomo Ermittlungen gegen Shortseller eingeleitet. Die deutschen Aufseher weisen darauf hin, dass es hierzulande kein gesetzliches Verbot von Leerverkäufen gebe. Entsprechende Regelungen müsse der Gesetzgeber auf den Weg bringen. Der führende Hedge-Fonds-Verband Aima verteidigte dagegen Leerverkäufe als "legitime Praxis".

Wie sehr der Aktienmarkt in den vergangenen Tagen von Spekulationen geprägt war, zeigt ein Blick auf die Handelsstatistik der europäischen Terminbörse Eurex. Dort wurden pro Tag doppelt so viele Kontrakte auf Banktitel im maßgeblichen Index Euro Stoxx 50 gehandelt wie im Schnitt des gesamten Vormonats. Unter allen 18 vertretenen Branchen machten Banktitel etwa 30 Prozent aller gehandelten Kontrakte aus.

Unsicherheit beherrscht auch die Fondsbranche. Mit dem US Reserve Primary Fund-Geldmarktfonds hat einer der größten Geldmarktfonds mitgeteilt, dass er bis nächsten Mittwoch kein Geld an Investoren auszahlen kann, weil er Millionen wegen der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers abschreiben müsse.

Grundsätzlich können auch Vertreter großer europäischer Geldmarkt- und Rentenfonds nicht ausschließen, dass ihre Produkte Probleme bekommen.

Politiker begrüßten die FSA-Entscheidung. Der Beschluss sei nach reiflicher Überlegung gefallen, um den Markt vor weiterer Instabilität zu bewahren, sagte FSA-Chef Hector Sants.

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