Leerverkäufe
Paris greift Leerverkäufer an

Die französische Börsenaufsicht AMF will die Preise für geliehene Wertpapiere regulieren: Die Pariser Börsenpolizei schlägt vor, dass Leerverkäufer ihre geliehenen Wertpapiere nicht mehr zu einem Preis verkaufen dürfen, der unter dem zuletzt ermittelten Börsenpreis liegt. Damit würde diese Art von Geschäften ihren Reiz verlieren.

PARIS. Die französische Börsenaufsicht AMF (Autorité des Marchés Financìeres) will Leerverkäufern den Garaus machen. Daher schlägt die Pariser Börsenpolizei vor, dass ein Leerverkäufer seine geliehenen Wertpapiere nicht zu einem Preis verkaufen darf, der unterhalb des letzten ermittelten Börsenpreises liegt. Die französische AMF plädiert dafür, dass diese Regel möglichst von allen Börsenregulierern angewendet wird, die im Weltverband IOSCO (International Organisation of Securities Commissions) Mitglied sind.

Sollte die AMF mit ihrem Vorstoß Erfolg haben, würden Leerverkäufe kaum mehr Sinn machen. Bei dieser Technik leiht sich ein Investor von einer Bank oder einem Investmentfonds Wertpapiere, zum Beispiel Aktien. Die Papier verkauft der Investor dann an der Börse, in der Hoffnung, durch den Verkauf Druck auf den Kurs auszulösen. Sinkt der Kurs tatsächlich, kann der Investor das Papier billiger zurückkaufen. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis streicht der Investor als Gewinn ein.

Sogenannte Short Seller (Leerverkäufer) bieten oft ihre geliehenen Wertpapiere aber unterhalb des Börsenkurses an, um eben Druck auf den Aktienpreis auszuüben. Sollte der Börsenregulierer nun erzwingen, dass der Short Seller immer zum letzten Börsenkurs verkaufen muss, so könnte der Short Seller weniger Verkaufsdruck auslösen. Die Technik des Leerverkaufens ist ein klassisches Instrument von Hedge-Fonds, um auch bei sinkenden Börsen Geld zu verdienen.

Frankreich sieht sich indes an der politischen Speerspitze, um nach der Krise die Finanzmärkte stärker zu regulieren. Ein Buhmann sind dabei auch die zumeist in London ansässigen Hedge- Fonds, die bisher kaum einer Regulierung unterliegen.

Im Zuge der Krise hatten 20 Börsenaufseher im vergangenen September zeitweise Aktienleerverkäufe für Finanztitel verboten. Damit sollte die extreme Volatilität von Bank- und Versicherer-Aktien eingedämmt werden, die schädlich für die Finanzmarkt-Stabilität angesehen wurde. Die AMF verlängerte am Freitag nun ihr Leerverkaufs-Verbot für bestimmte Finanzaktien bis Januar 2010.

Die britische Börsenaufsicht FSA erlaubt dagegen bereits seit Januar wieder, Bankaktien leer zu verkaufen. Der Wirtschaftswissenschaftler Arturo Bris vom Yale Center for Finance bezweifelt, dass Leerverkäufer tatsächlich den Kursrutsch von Finanztiteln in der Krise verschärft haben. Er hatte die Kursentwicklung von US-Finanztiteln vor und nach dem ersten Leerverkaufsverbot in den USA untersucht. Er stellte fest, dass sich dieFinanzaktien sogar schlechter als der Gesamtmarkt entwickelten, als das Verbot in Kraft war.

Umstrittene Technik

Alte Debatte

Schon beim Aktiencrash 1987 kam in den USA die Debatte hoch, ob Leerverkäufer nicht den Crash ausgelöst hätten. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC kam damals zu den Schluss, die Short Seller stärker zu regulieren.

Pro-Argumente

Verfechter von Leerverkäufen betonen, sie machten den Markt liquider, An- und Verkaufspreise näherten sich an. Zudem würden auch Blasen bekämpft.

Contra-Argumente

Leerverkäufer können Titel nach unten prügeln. Nach der Lehman-Pleite spielten die Märkte das Spiel "Who?s next". Sie wetteten auf den nächsten Kandidaten.

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