Leerverkäufe-Verbot
Das stumpfe Schwert der Politik

Die Politik will die Märkte zähmen: Ab heute sind besonders riskante Börsengeschäfte in vier europäischen Ländern verboten. Doch Börsianer wissen: Das reicht nicht, die Spekulation bahnt sich weiter ihren Weg.
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FrankfurtVier Euro-Länder wollen Marktturbulenzen durch das vorläufige Verbot hochspekulativer Börsengeschäfte eindämmen. Frankreich, Italien, Spanien und Belgien untersagten ab heute bestimmte Leerverkäufe, Betroffen von dem Verbot sind Finanztitel.

Börsianer bezeichneten das Verbot von Leerverkäufen als nutzlos. „Wenn ich die Aktien in meinem Land nicht mehr leer verkaufen kann, dann tue ich das eben im Ausland“, betonte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. In London, dem größten europäischen Finanzplatz, sind diese Geschäfte beispielsweise weiter erlaubt. Dabei leihen sich Investoren Aktien eines Unternehmens, um sie umgehend zu verkaufen. Sie hoffen darauf, dass der Kurs bis zum Ende der Leihfrist fällt und sie die Papiere billiger zurückkaufen können. Die Differenz bleibt den Anlegern als Gewinn.

„Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein weiterer Ausverkauf dadurch verhindert wird“, sagte auch Aktienhändler Manoj Ladwa von ETX Capital. Investoren würden dann einfach einen kurzfristigen Kursanstieg wie am Donnerstag abwarten, um sich von ihren Titeln zu trennen.

„Ein Pflaster auf eine Wunde zu kleben, die mit mehreren Stichen genäht werden müsste, löst das Problem nicht“, sagte Pedro de Noronha, Partner beim Hedgefonds Noster Capital.

Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA teilte am späten Donnerstagabend mit, die nationalen Börsenaufsichten würden rasch und entschieden gegen den Missbrauch von Marktregeln vorgehen. Zwar seien Leerverkäufe für sich genommen eine zulässige Handelsstrategie. Doch in Verbindung mit der Verbreitung von Marktgerüchten handele es sich um einen klaren Regelverstoß.

Kommentare zu " Leerverkäufe-Verbot: Das stumpfe Schwert der Politik"

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  • Interessant,Politische Leerverkäufe.

  • Es gaebe ein sehr wirkungsvolles Mittel, den Spekulanten in die Suppe zu spucken. Da etwa 95% der weltweiten Finanztransaktionen im Millisekundentakt durch Computer abgewickelt werden, braeuchte man nur ein Verzoegerung anordnen und einzubauen. So Sekunden bis zu Minuten und schon waere das wilde spekulieren nicht mehr so interessant. Fuer die Realwirtschaft waere die Verzoegerung kein Problem, da es keine Rolle spielt, ob das Geld ein paar Minuten spaeter auf dem Konto landet.

  • Es scheint als ob viele den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen könnten.

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