Leerverkäufe-Verbot

Das stumpfe Schwert der Politik

Die Politik will die Märkte zähmen: Ab heute sind besonders riskante Börsengeschäfte in vier europäischen Ländern verboten. Doch Börsianer wissen: Das reicht nicht, die Spekulation bahnt sich weiter ihren Weg.
Update: 12.08.2011 - 13:52 Uhr 12 Kommentare
Aktienhändler in Paris: Ab heute kein Leerverkauf von Bankaktien mehr. Quelle: dapd

Aktienhändler in Paris: Ab heute kein Leerverkauf von Bankaktien mehr.

(Foto: dapd)

FrankfurtVier Euro-Länder wollen Marktturbulenzen durch das vorläufige Verbot hochspekulativer Börsengeschäfte eindämmen. Frankreich, Italien, Spanien und Belgien untersagten ab heute bestimmte Leerverkäufe, Betroffen von dem Verbot sind Finanztitel.

Börsianer bezeichneten das Verbot von Leerverkäufen als nutzlos. „Wenn ich die Aktien in meinem Land nicht mehr leer verkaufen kann, dann tue ich das eben im Ausland“, betonte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. In London, dem größten europäischen Finanzplatz, sind diese Geschäfte beispielsweise weiter erlaubt. Dabei leihen sich Investoren Aktien eines Unternehmens, um sie umgehend zu verkaufen. Sie hoffen darauf, dass der Kurs bis zum Ende der Leihfrist fällt und sie die Papiere billiger zurückkaufen können. Die Differenz bleibt den Anlegern als Gewinn.

„Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein weiterer Ausverkauf dadurch verhindert wird“, sagte auch Aktienhändler Manoj Ladwa von ETX Capital. Investoren würden dann einfach einen kurzfristigen Kursanstieg wie am Donnerstag abwarten, um sich von ihren Titeln zu trennen.

„Ein Pflaster auf eine Wunde zu kleben, die mit mehreren Stichen genäht werden müsste, löst das Problem nicht“, sagte Pedro de Noronha, Partner beim Hedgefonds Noster Capital.

Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA teilte am späten Donnerstagabend mit, die nationalen Börsenaufsichten würden rasch und entschieden gegen den Missbrauch von Marktregeln vorgehen. Zwar seien Leerverkäufe für sich genommen eine zulässige Handelsstrategie. Doch in Verbindung mit der Verbreitung von Marktgerüchten handele es sich um einen klaren Regelverstoß.

Zahnloser Tiger
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12 Kommentare zu "Leerverkäufe-Verbot: Das stumpfe Schwert der Politik"

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  • Interessant,Politische Leerverkäufe.

  • Es gaebe ein sehr wirkungsvolles Mittel, den Spekulanten in die Suppe zu spucken. Da etwa 95% der weltweiten Finanztransaktionen im Millisekundentakt durch Computer abgewickelt werden, braeuchte man nur ein Verzoegerung anordnen und einzubauen. So Sekunden bis zu Minuten und schon waere das wilde spekulieren nicht mehr so interessant. Fuer die Realwirtschaft waere die Verzoegerung kein Problem, da es keine Rolle spielt, ob das Geld ein paar Minuten spaeter auf dem Konto landet.

  • Es scheint als ob viele den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen könnten.

  • bevor Naked Short Selling Verbote ausgesprochen werden sollte erst einmal der gebrauch bestimmte Wörter verboten werden: "Spekulant, Zocker, Wette". Politik und Journalistik lieben diese Begriffe, denn sie dienen dem Zweck, Investoren als Sündenböcke herhalten zu lassen. Politiker sollten erst einmal Klar Schiff machen, dann wären Märkte nicht so nervös und Anleger (jawohl, brave Anleger) wären nicht zu Panik geneigt.

    Wenn Sie Short Selling verbieten wollen, wäre ebenso konsequent, Long Selling zu verbieten, denn das hat ja bekanntlich zur Blase geführt. Also, System abschaffen und Kommunismus einführen. Für diejenigen, die es noch nicht gemerkt haben, das war zynisch.

    P.S: Ich finde es schändlich, dass Handelsblatt Reporter sich auch der oben genannten begriffen bedienen. Von linken Medien zu erwarten, nicht vom Handelblatt.

  • USA und GB leben von diesem Geschäft. Luftbuchungen sind schliesslich das Geschäft der USA.

    Da haben Sie allerdings nicht ganz unrecht. Die USA leben vornehmlich davon, dass sie andere ausnehmen. Dazu muss man den anderen aber erst mal das eigene System überstülpen. Dumm nur, dass wir das in Deutschland auch gemacht haben, in sehr vielen Bereichen...

  • Wie wäre es denn einfach, wenn man den Sinn dieser ganzen Produkte wieder auf ihren ursprünglichen Gedanken zurückführt? Was haben denn die meisten Instrumente denn noch mit Vermögensanlage zu tun?
    Wieso kann ich mit einer Kreditversicherung spekulieren, wenn ich die entsprechende Anleihe nicht im Bestand habe? Ich versichere auch kein Auto, dessen Eigentümer ich nicht bin.
    Der marktregulierende Effekt von Leerverkäufen in allen Ehren, aber was ich nicht habe, kann ich auch nicht verkaufen. Dann muss ich es mir eben leihen und dann verkaufen. Die Börse war einmal ein Instrument, um Kapitalbedürftigen die entsprechenenden Anleger zu vermitteln. Heute ist sie eigentlich nicht viel besser als eine Rennbahn oder ein Casino.

  • Im Feld "Wie Leerverkäufe funktionieren" wird aber recht fadenscheinig argumentiert, um Leerverkäufe zu rechtfertigen.

    Wer sich gegen Rohstoffpreisschwankungen absichern will, geht an die Warenterminbörse und kauft oder verkauft Kontrakte.Das hat mit Leerverkäufen recht wenig zu tun...

    Und das Argument Leerverkäufer sorgen für ausreichende Liquidität..? Mir wäre neu, dass Leerverkäufer als Market Maker auftreten wollen. Ihr Interesse ist es ja gerade durch zu wenig Liquidität die Märkte nach unten zu drücken. Gäbe es ausreichend Kaufinteressenten auf dem aktuellen Niveau, würde der Kurs ja nicht fallen.

    Gerade durch den massiven Verkauf kommen die Kurse ja unter Druck.

    Leerverkäufe sind nichts anderes, als Zockerei und erfüllen keinerlei volkswirtschaftlichen Nutzen. Aber das haben Sie gemein mit so ziemlich allen "modernen Finanzmarktinstrumenten". Den Nutzen haben auch hauptsächlich die großen Banken und Hedgefonds.

    Würde man weltweit alle solche Derivate verbieten oder stärker regulieren, dann würden sämtliche Großbanken weltweit ihre Systemrelevanz verlieren. So könnte man ganz einfach das Problem mit der Bankenrettung umgehen..

  • Ich kann nur noch lachen, wenn ich Experten zum Thema "Rettung des Systems" höre. Cui bono?
    Vielleicht hilft denen ein Film für Kinder, was selbst der dümmste verstehen müsste:
    http://www.youtube.com/watch?v=_h0ozLvUTb0
    (fängt langweilig an, wird aber im Laufe immer besser!)
    Am Ende gewinnt immer die Bank:
    http://www.youtube.com/watch?v=CZMVZkQe4r0
    (von 2010 und nichts hat sich geändert!)

  • Wenn die Politik versucht, Spekulation über fallende Kurse, Staatsbankrotte oder ähnliches einzudämmen, so handelt es sich wohl um die Quadratur des Kreises.
    Es ist schlicht unmöglich, dass die Politik gegen die Märkte gewinnt. Spekulation ist wie ein fließendes Gewässer, es sucht sich seinen Weg notfalls auch durch massives Gestein.
    Das mag einem gefallen oder auch nicht.

  • Die "Angelsachsen" USA + GB leben von diesem Geschäft. Dort will die Politik nichts ändern. Alles heisse Luft. Wer wie die USA zwei Drittel der Wirtschaftleistung aus dem Konsum zieht braucht diese Luftbuchungen, sonst läuft dort garnichts mehr. Pump + Luftbuchungen sind schließlich das Geschäftsmodell der USA. Rateing "D" wäre gerecht.

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