Leerverkäufe
Wenig Einsatz, dicker Gewinn

Die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin hat Leeverkäufe von Aktien der großen deutschen Finanzdienstleister verboten. Warum sie das getan hat, und was hinter den sogenannten Leerverkäufen steckt.

HB FRANKFURT. Mit Leerverkäufen (short-selling) kann an der Börse auch bei fallenden Kursen Geld verdient werden. Dazu verkauft ein Händler Aktien oder Anleihen, die er sich gegen eine Gebühr bei Banken ausleiht, um sie bei fallenden Kursen später billiger zurückkaufen zu können.

Allerdings geht diese Wette nicht immer auf. Steigt der Aktienkurs bis zur vereinbarten Rückgabezeit, entsteht dem Händler ein Verlust. Wird der Markt durch massive Leerverkäufe überschwemmt, kann allein dadurch der Aktienkurs sinken. Falls dann weitere Aktionäre das Vertrauen in ihr Papier verlieren und verkaufen, wird der erhoffte Kursverfall dadurch oft erst ausgelöst - zum Schaden traditioneller Investoren.

Nach Ansicht vieler Börsenexperten tragen diese Kurswetten mit Schuld an der jüngsten Pleite der US- Investmentbank Lehman Brothers. Auf Leerverkäufe professionalisierte Hedge-Fonds gehen häufig noch aggressiver vor: Sie verkaufen vor allem in den USA Papiere, die sie nicht einmal geliehen haben. Sie müssen nur sicherstellen, dass Aktien zum Verleih angeboten werden. Solche ungedeckten Leerverkäufe (naked short-selling) sind möglich, da eine Lieferpflicht für Aktien meist erst nach drei Tagen besteht - bis dahin müssen die Händler den Rückkauf abgeschlossen haben.

Solche ungedeckten Leerverkäufe bringen Aktienkurse besonders heftig ins Wanken: Da mehrere Händler eine einzige potenziell ausleihbare Aktie als Grundlage für Leerverkäufe nehmen, wird der Umfang von Leerverkäufe drastisch erhöht. Immer wieder werden Händlern auch kriminelle Taktiken vorgeworfen: Damit der erhoffte Kursverfall möglichst stark ausfällt, verbreiten einige den Vorwürfen zufolge gezielt schlechte Nachrichten über Unternehmen. So können selbst große Konzerne pleitegehen.

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