Leerverkauf
Aufsichtsbehörden schränken Spekulation ein

Zahlreiche Länder haben Restriktionen beim Leerverkauf („short selling“) beschlossen, in den USA wird das Verbot für ungedeckte Leerverkäufe („naked short selling“) verlängert. Experten an den Börsen warnen: Eine zu starke Regulierung gefährde einen liquiden Handel an den Märkten.

FRANKFURT. Politiker beobachten Aktivitäten spekulativ orientierter Investoren wie Hedge-Fonds seit Ausbruch der Finanzkrise sehr kritisch. Dies gilt auch für das Instrumentarium des Leerverkaufs. Zahlreiche Länder haben Restriktionen beim Leerverkauf („short selling“) beschlossen. Der Leerverkauf von Aktien gilt als eine der Ursachen der starken Börsentalfahrt und der Zuspitzung der Weltwirtschaftskrise. Neben der US-Behörde SEC und der EU-Kommission sprechen sich auch in der International Organisation of Securities Commission (Iosco) vertretene Länder für Restriktionen beim Leerverkauf aus.

Die Kritik entzündet sich weniger an der traditionellen Leerverkaufs-Variante, dem gedeckten Leerverkauf, sondern am nicht-gedeckten Leerverkauf (dem „naked short selling“). Beim traditionellen Leerverkauf veräußern Anleger Aktien, die sie nicht besitzen, sich jedoch über das Instrumentarium der Wertpapierleihe gegen Zahlung einer Gebühr beschaffen. Leerverkäufer hoffen auf sinkende Kurse, weil sie Aktien innerhalb der Frist von drei Tagen an der Börse zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben müssen.

Bei der spekulativeren Variante, dem „naked short selling“, ist der Anleger nicht im Besitz der Aktien. Er nutzt die zwischen der Abrechnung von Geschäften liegende Frist von zwei bis drei Tagen. Die US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC hat jetzt ein bisher bis Ende Juli geltendes vorläufiges Verbot dieser Praxis auf unbestimmte Zeit verlängert. Anleger müssen innerhalb von drei Tagen die Aktien liefern, die sie leer verkauft haben. Dies entspricht der Lieferungsfrist traditioneller Leerverkäufe.

Einigen Aufsichtsbehörden gehen die Beschränkungen nicht weit genug. Sie verlangen schärfere Meldefristen für Leerverkaufs-Transaktionen, um mehr Transparenz zu schaffen. Banken, Hedge-Fonds und Börsen sprechen sich allerdings gegen eine Verschärfung der Leerverkaufs-Vorschriften aus.

Craig Donohue, Vorstandschef der Chicago Mercantile Exchange, befürchtet, dass schärfere Regelwerke auch das Geschäft der größten US-Terminbörse beeinträchtigen könnten. Denn auch Termingeschäfte über Futures und Optionen sind im Kern Leerverkäufe. Hier muss der Verkäufer im Gegensatz zum traditionellen Leerverkauf die Aktien oft viele Monate später liefern. „Wir befürchten, eine unangemessene Regulierung der Leerverkaufs-Praxis wird Geschäfte an nicht regulierte Märkte treiben“, warnt Craig Donohue.

„Leerverkäufe tragen zu einem liquiden Handel bei und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Markteffizienz“, warnt auch die Deutsche Börse AG vor unsachgemäßer Regulierung. Grundsätzlich würden alle Marktteilnehmer – also Emittenten, Händler und Anleger – von einem liquiden Sekundärmarkt für Wertpapiere zum Beispiel bei Kapitalmarkttransaktionen profitieren. Daher hat sich die Gruppe Deutsche Börse sowohl gegen die Regulierung von Leerverkäufen als auch von Meldepflichten ausgesprochen.

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