Linde-Hauptversammlung am kommenden Montag
Übernahmegerüchte beflügeln Linde- und BOC-Aktien

Spekulationen über einen bevorstehenden Abschluss bei der von Linde geplanten Übernahme der britischen BOC haben am Mittwoch die Aktien beider Konzerne klettern lassen.

HB FRANKFURT. Die Aktien der BOC Group Ltd klettern bis gegen Mittag an der Londoner Börse um 2,4% auf 1.547 Pence, die Papiere von Linde verteuern sich um 0,9% auf 67,05 Euro. Laut Händlern ist der Anstieg auf Gerüchte zurückzuführen, Linde könnte bereits am Donnerstag eine auf 1.640 Pence erhöhte und von BOC akzeptierte Offerte präsentieren. Weder BOC noch Linde wollten die aktuellen Gerüchte kommentieren. Am Montag findet bei Linde die Bilanzpressekonferenz zum abgelaufenen Jahr statt.

Ende Januar hatte Linde ein formloses Angebot über 1.500 Pence pro Anteilsschein des britischen Konkurrenten vorgelegt, welches von Management und Board bei BOC als zu niedrig zurückgewiesen worden war.

Eine Aufstockung der BOC-Offerte im jüngst spekulierten Ausmaß sähen Analysten als noch verträglich für die Linde AG, Wiesbaden, an. „Ein Gebot über 1.640 Pence je Aktie wäre kein Schnäppchen, hätte aber noch Sinn“, sagt Analyst Robert Heberger von Merck Finck & Co. Damit wäre BOC mit rund 12,6 Mrd. Euro bewertet.

Analyst Heberger befürchtet wegen der hohen Wahrscheinlichkeit einer umfangreichen Kapitalerhöhung bei Linde allerdings zumindest kurzfristig Druck auf die Aktie. Daher laute seine Anlageempfehlung aktuell „Hold“. Je nach dem im Anschluss an eine Kapitalmaßnahme erreichten Kursniveau könnte der Titel aber wieder auf „Buy“ gestuft werden, sagt der Analyst. Einen Zusammenschluss der beiden Konzerne werte er aus fundamentaler Sicht positiv. Dem schließt sich auch sein Kollege Eggert Kuls von M.M. Warburg an.

„Eine Übernahme für 1.500 Pence wäre sehr gut gewesen, ein Aufstocken um 10% läge aber noch im Rahmen früherer Übernahmen“, erklärt Kuls. Allerdings würde die Verschuldung dann um rund eine Milliarde Euro höher ausfallen, gibt er zu bedenken. Eine Fusion unter Gleichen wäre für ihn die sinnvollste Variante, auch wenn diese offensichtlich nicht zur Debatte stehe. Positiv für die Kursaussichten von Linde sei, dass mit dem zu erwarteten Verkauf von Sparten einge Fokussierung auf das Kerngeschäft Industriegase einhergehen dürfte. „Dann würde Linde wie ein Gaseunternehmen bewertet, der Konglomerat-Abschlag entfiele“, sagt Kuls.

Linde hat bislang noch keine konkreten Aussagen zur geplanten Finanzierung des Zukaufs gemacht, Analysten rechnen mit einer Kapitalerhöhung, einer Ausweitung der Verschuldung sowie mit Spartenverkäufen. Als mögliches Verkaufsobjekt bei Linde nennen Analysten die Gabelstaplersparte. Sie könnte bis zu 4 Mrd. Euro Erlös einbringen. Auf Seiten des britischen Konzerns rechnen die Branchenbeobachter mit einem Verkauf der Krankenhaussparte Afrox mit ihren rund 60 Hospitälern und Kliniken.

Übereinstimmend erwarten die Branchenexperten Synergiepotenzial im Gasegeschäft, das wenig Überschneidungen bei der regionalen Aufstellung und in den Produkten ausweise. Linde würde durch den Zukauf mit etwa 21% Marktanteil zur weltweiten Nummer Eins im Geschäft mit industriellen Gasen - knapp vor dem bisherigen Branchenersten Air Liquide. Linde und BOC sind beides Mischkonzerne, wobei BOC mit einer Marktkapitalisierung von rund 12 Mrd. Euro an der Börse schwerer wiegt als Linde mit einem Börsenwert von etwa 8 Mrd. Euro.

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