Londoner Börse
City beugt sich der Nasdaq

Die Londoner Finanzgemeinde akzeptiert offenbar den wachsenden Einfluss der US-Technologiebörse Nasdaq über die altehrwürdige London Stock Exchange (LSE). Am Mittwoch hatte die zweitgrößte US-Börse Nasdaq ihren Anteil an der LSE von 18,7 Prozent auf 24,1 Prozent erhöht.

FRANKFURT/LONDON. Die Londoner Finanzgemeinde akzeptiert offenbar den wachsenden Einfluss der US-Technologiebörse Nasdaq über die altehrwürdige London Stock Exchange (LSE). Pragmatisch reagierte jedenfalls der angesehene Börsenmaklerverband APCIMS auf die Aufstockung des Nasdaq-Anteils an der 300-jährigen LSE auf jetzt 24,1 Prozent. „Faktisch hat die Nasdaq damit eine ausreichende Beteiligung, um die Richtung vorzugeben“, sagte APCIMS-Chefin Angela Knight. Nun müsse man in Gespräche über die Organisation des Marktes eintreten. Die LSE selber sieht das jedoch anders und zeigt sich weiter ablehnend. Durch die Aufstockung habe sich eigentlich nichts geändert, sagte ein Sprecher.

Die zweitgrößte US-Börse Nasdaq hatte am Mittwoch ihren Anteil an der LSE von 18,7 Prozent auf 24,1 Prozent erhöht. Ein Aktienpaket kam von UBS, ein anderes vom Investmentfonds Scottish Widows. Die Nasdaq setzte ihre faktisch feindliche Übernahme fort, nachdem ein offizielles Übernahmeangebot im März am Widerstand der LSE-Führung gescheitert war. Gestern wurde jedoch in der City gerätselt, warum die Nasdaq nicht über die Sperrminorität von 25 Prozent überschritten hat. „Wir haben genau so viele Aktien verkauft, wie wir wollten“, sagte eine Sprecherin von Scottish Widows. Sie wollte nicht sagen, ob die Nasdaq mehr Aktien kaufen wollte. Scottish Widows ist noch mit 3,3 Prozent an der LSE beteiligt.Der Nasdaq bleibt derzeit nichts anderes übrig, als auf dem offenen Markt LSE-Aktien zu kaufen. Nach britischem Recht ist ein unaufgefordertes Übernahmeangebot erst in rund fünf Monaten möglich.

APCMIS-Chefin Knight sieht vor allem bei den Publikationsregeln Diskussionsbedarf, die an beiden Börsen unterschiedlich sind. Die Broker fürchteten, dass eine Übernahme der LSE durch eine US-Börse höhere regulatorische Bürden mit sich brächte. Die Offenlegungspflichten des Sarbanes-Oxley-Gesetzes in den USA haben zuletzt viele ausländische Emittenten von den New Yorker Börsen abgeschreckt und nach London gelockt.

Auch nach der Aufstockung des LSE-Anteils hat es nach Informationen aus Branchenkreisen keine Gespräche zwischen LSE und der Nasdaq gegeben. Diese würden, wie mit großen Aktionären üblich, in absehbarer Zeit stattfinden. Es sei nicht geplant, dass Nasdaq-Manager in das Board der LSE einzögen. Dort würden zu viele wettbewerbsrelevante Themen diskutiert, hieß es. Auf der Hauptversammlung (HV) im Sommer, für die es noch keinen Termin gibt, wäre die nächste Gelegenheit, neue Board-Mitglieder zu berufen.

Am kontinentaleuropäischen Ende der Konsolidierungdebatte kochten gestern die Spekulationen über eine baldige Fusion der Deutschen Börse und der Euronext hoch. Der Aktienkurs der Börse schoss um rund vier Prozent in die Höhe. Anleger reagierten auf einen Zeitungsbericht über eine weitgehende Einigung beider Seiten. Noch vor der HV der Euronext Ende Mai könne eine Vereinbarung stehen, hieß es. Eine Euronext-Sprecherin dementierte: „Wir arbeiten an der besten Lösung für unsere Anteilseigner und sprechen mit verschiedenen Parteien, auch mit der Deutschen Börse.“ Ein Börsen-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

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