LSE bietet ab Ende Mai Aktienhandel in Amsterdam zu billigeren Preisen als der Konkurrent an – Erfolg dringend benötigt
Londoner Börse greift Euronext an

Wenn er von Amsterdam spricht, verliert Martin Graham die ihm eigene Bescheidenheit. „Wir starten hier das erste Mal in der Geschichte der europäischen Börsen eine wirkliche Konkurrenz“, sagt der Direktor für Markt-Dienstleistungen der Londoner Börse LSE. Er lässt den Satz ein paar Sekunden wirken, und fügt dann an: „Der Markt braucht die Konkurrenz.“

LONDON. Die LSE verfolgt eine Mission. Am 24. Mai startet ihre „Dutch Trading Initiative“ in Amsterdam. So bezeichnet die Börse den Frontal-Angriff auf den Konkurrenten Euronext. In den Niederlanden befindet sich einer der Kernmärkte der Vierländerbörse. Gelingt der LSE der Einstieg, dann könnte ihr Angebot mit bis zu 50 Prozent reduzierten Gebühren ein Vorgeschmack auf zukünftige Kämpfe der drei europäischen Giganten Euronext, Deutsche Börse und LSE sein. Gelingt der Coup nicht, gerät die Börse unter noch größeren Druck ihrer Investoren.

Vor einem Jahr klopften niederländische Broker bei der LSE an, ob diese an dem Aufbau eines Angebots in den Niederlanden interessiert sei. Der Frust in Amsterdam war groß: Bei der Transformation auf die Euronext-Plattform war es immer wieder zu Ausfällen im Handel gekommen. Investoren beklagten sich zudem über schlechten Service. Endgültig zum Kochen brachte die Broker aber die neue Gebührenstruktur der Euronext, die seit Januar 2004 gilt. Diese verbilligte zwar den Aktienhandel für größere Volumina. Je kleiner eine Order aber wird, desto höher steigen die Kosten. Darüber hinaus stieß den kleinen Instituten die neu eingeführte Abrechnung pro Order sauer auf. Wer seinen Preis bis zur endgültigen Ausführung korrigiert, muss für jede Änderung zahlen. „Im ungünstigen Fall hat sich der Preis für den Kauf von Aktien um zwei Drittel verteuert“, wettert Willem Meijer, Vorstandsmitglied des Niederländischen Verbands der Aktienhändler.

Die kleinen Broker sind aber wichtig: Sie kommen auf ein Handelsvolumen von rund 20 % bis 30 % an der Amsterdamer Börse. Vor allem diese und Marktteilnehmer aus London hat Graham im Blick, wenn er sagt : „Wir wollen mittelfristig knapp ein Drittel des Handelsvolumens auf unser Angebot ziehen.“ Dass sich die potenziellen Euro-Einnahmen in den Niederlanden damit zu einem zweistelligen Millionenbetrag addieren, will er jedoch nicht bestätigen.

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