„Märkte sehr sehr unsicher“
Hapag-Lloyd lässt sich mit Börsengang noch Zeit

Der Reisekonzern Tui bringt seine Anteile an der Container-Reederei Hapag-Lloyd vorerst nicht an die Börse. Wegen der unsicheren Kapitalmarktlage haben die Eigentümer entschieden, noch abzuwarten.
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Hannover/HamburgDie Eigner von Hapag-Lloydhaben eine Entscheidung über den Börsengang der Hamburger Container-Reederei verschoben. Die Ankündigung sei nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten wegen der Katastrophe in Japan und der Situation in Libyen vertagt worden, sagte ein Sprecher des Konsortiums Albert Ballin am Montag. „Die Märkte sind derzeit sehr sehr unsicher. Darauf kann man keine Entscheidung bauen.“ Man wolle das Marktumfeld weiter beobachten.

Das Albert-Ballin-Konsortium, das die Mehrheit an der Hamburger Traditionsreederei hält, beriet am Montagabend über die Zukunft von Hapag-Lloyd. Bereits in der vorigen Woche hieß es, das Projekt stehe wegen der Katastrophe in Japan auf dem Prüfstand. Die Entwicklung in Fernost und die Reaktion des Kapitalmarktes müsse genau beobachtet werden. Nach bisher nicht bestätigten Berichten war ein Zeitraum bis Ostern für den Gang aufs Parkett anvisiert worden.

In Unternehmenskreisen wurde ein Gang aufs Parkett noch in der ersten Jahreshälfte nicht ausgeschlossen. In Finanzkreisen war bisher ein solcher Schritt noch vor Ostern erwartet worden. Das ist mit der nun verkündeten Verschiebung unwahrscheinlich.

Angesichts des deutlich gestiegenen Erdölpreises rechnet Hapag-Lloyd, weltweit Nummer fünf unter den Containerreedereien, im laufenden Jahr mit einem niedrigeren Gewinn. 2010 hatte das Hamburger Unternehmen dank der gestiegenen Transportnachfrage durch die Wirtschaftserholung einen Rekordgewinn eingefahren. 2009 hatte wegen der kriselnden Schifffahrtsmärkte noch ein Verlust zu Buche gestanden.

Die Tui will sich von ihrer verbliebenen Beteiligung von 49,8 Prozent an Hapag-Lloyd trennen, nachdem sie die Tochter zu Beginn der Wirtschaftskrise nicht komplett losgeworden war. 11,3 Prozent der Anteile waren kürzlich an das Hamburger Konsortium verkauft worden, das Vorkaufsrechte hat. Die Transaktion wird im Mai wirksam, danach hält Tui noch 38,4 Prozent an der Reederei. Weitere bis zu 30 Prozent wollte Tui Finanzkreisen zufolge im Rahmen des Börsengangs verkaufen. Das Konsortium Albert Ballin, zu dem neben der Stadt Hamburg und dem Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne (Kühne + Nagel) mehrere Finanzunternehmen gehören, hält bereits etwas mehr als die Hälfte der Hapag-Lloyd-Anteile.

Der Tui-Aufsichtsrat hat bereits grünes Licht für den Börsengang gegeben. Die Tui-Führung hatte aber stets deutlich gemacht, dass es ihr bei der Trennung von der Reederei um einen höchstmöglichen Erlös geht. Daher hatte sie sich bisher auch die Option eines direkten Verkaufs an einen Investor offen gehalten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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