Manager
Aufsichtsräte verzichten auf scharfes Schwert

Zwei Abgänge, zwei völlig verschiedene Reaktionen der Börse.

Als die Telekom Vorstandschef Kai-Uwe Ricke durch René Obermann ersetzte, honorierten Anleger dies mit einem Kursplus von drei Prozent. Den von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch inszenierten Sturz des VW-Chefs Bernd Pischetsrieder quittierte die Börse dagegen mit einem Minus von 2,5 Prozent. Rickes Abgang war ein Befreiungsschlag: Die Telekom verliert Festnetzkunden am laufenden Band, der Service ist mies, und die Kosten sind zu hoch. Die T-Aktie dümpelt immer noch unter dem Ausgabekurs von 1996.

Was Obermann besser machen kann als Ricke, ist allerdings unklar. Egal: Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel hat, gedrängt vom Heuschrecken-Aktionär Blackstone, Entschlossenheit demonstriert. Ungefährdet ist auch er nicht mehr in dieser Fußball-Aktionärskultur: Damit die Fans Ruhe geben, feuert der Präsident den Trainer. Wenn der neue Trainer es auch nicht schafft, geht als nächstes der Präsident.

Beide Abgänge haben übrigens eines gemeinsam: Beschlossen wurden sie nicht vom Aufsichtsrat, sondern vom Aufsichtsratspräsidium. Das Plenum durfte nur noch abnicken, was die Chefs des Gremiums vorgegeben hatten. Michael Kramarsch, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Towers Perrin, sieht darin eine Selbstentleibung des Aufsichtsrats. "Über Vorstandsverträge zu entscheiden, ist das schärfste Schwert des Aufsichtsrats." Das sollten die Räte im Interesse aller Aktionäre nicht einfach aus der Hand geben.

Dass die für Fragen der sauberen Unternehmensführung (Corporate Governance) zuständige Regierungskommission unter Vorsitz des früheren Stahlmanagers Gerhard Cromme diese Selbstherrlichkeit rügt, ist unwahrscheinlich: In ihr haben aktive und Ex-Vorstände die Mehrheit. In der Kommission sitzt selbst Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking, der nicht einmal die Quartalsberichte des Sportwagenbauers veröffentlicht und zusammen mit Piëch die Zukunft des VW-Konzerns auskungelt.

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