Managerhaftung
Großbritannien: Mächtige Aufseher

Manager in Großbritannien sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Interessen ihres Unternehmens „bona fide“ zu vertreten, also im guten Glauben und ohne Rücksicht auf persönliche Interessen. Diese Pflicht legt ihnen das bürgerliche Recht ebenso auf wie der „Companies Act 1985“.

Auch die britische Finanzaufsicht FSA hat vor einigen Jahren eine Richtlinie gegen Marktmissbrauch entworfen. Wer falsche Informationen verbreitet oder Insider- Handel betreibt, macht sich strafbar. Verhalten sich Manager nicht den Regeln entsprechend, drohen ihnen theoretisch unbeschränkte Strafen – die die mächtige Finanzaufsicht nicht nur verhängen, sondern ebenfalls erzwingen kann.

Haften für falsche Angaben in Pflichtmitteilungen müssen die Manager sowohl gegenüber gegenüber Dritten als auch der eigenen Gesellschaft. Sollte es zu einer Verfehlung kommen, erwartet das Gesetz geradezu eine Klage der Gesellschaft. Anteilseigner können nur dann klagen, wenn sie eigene Verluste erlitten haben. Verluste der Gesellschaft können sie aber nicht stellvertretend einfordern.

Das jüngste Beispiel einer prominenten Verfehlung ist der Fall des ehemaligen Topmanagers von Shell, Sir Phil Watts. Dieser musste wegen einer überaus optimistischen Bewertung der Ölreserven, die sich als unzutreffend erwies, nicht nur von seinem Amt zurücktreten.

Der Öl-Multi wurde von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC und der britischen Finanzaufsicht FSA zu Millionenstrafen verurteilt; weitere Ermittlungen weltweit sind noch nicht abgeschlossen. Watts ist gegen die Strafe der britischen Seite schon vor Gericht gegangen. Sollte er jedoch verlieren oder von einer anderen Ermittlungsbehörde persönlich eines schweren Fehlverhaltens für schuldig befunden werden, droht ihm am Ende sogar eine Klage seines ehemaligen Arbeitgebers.

Die Manager sind allerdings Haftungsrisiken nicht auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Ihre Firmen dürfen Versicherungen zur Absicherung ihrer Führungskräfte abschließen. Allerdings decken solche Policen weder kriminelles Verhalten noch Strafen der FSA. Und die Versicherungen scheuen sich zunehmend, allzu große Risiken in die Managerhaftpflicht einzuschließen.

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