Managerhaftung
USA: Drakonische Strafen - auf dem Papier

In den USA sind Manager und Aufsichtsräte bereits für falsche Aussagen, insbesondere über Bilanzzahlen, haftbar. Das Sarbanes-Oxley-Gesetz erhöhte vor mehr zwei Jahren das Strafmaß für Anlegerbetrug auf bis zu 20 Jahre Gefängnis oder maximal fünf Millionen Dollar Geldstrafe.

Das Gesetz trifft in erster Linie die Vorstandschefs und die Finanzvorstände börsennotierter Gesellschaften, die persönlich mit ihrer Unterschrift für die Bilanz haften. Davon sind übrigens auch die Chefs deutscher Firmen mit US-Börsennotierung betroffen, wie zum Beispiel Josef Ackermann von der Deutschen Bank und Daimler-Chef Jürgen Schrempp.

Das Sarbanes-Oxley-Gesetz entstand in den Jahren 2001 und 2002 als Reaktion auf den milliardenschweren Bilanzbetrug beim texanischen Energiehändler Enron. Als die Bilanztricks aufflogen, stürzte der einst bewunderte Konzern in die Pleite, und Tausende Mitarbeiter und Aktionäre verloren ihre Alterssicherung. Der Prozess gegen den einstigen Enron-Chef Kenneth Lay und weitere frühere Top-Manager beginnt in wenigen Wochen.

Kritiker bemängeln allerdings, dass das eilig verabschiedete Gesetz unnötige Härten und Ungenauigkeiten beinhalte. Mehrere deutsche Unternehmen - darunter der Münchener Elektroriese Siemens - erwägen nicht zuletzt wegen des Gesetzes den Rückzug von der Wall Street.

Bei der Managerhaftung ergänzt und verschärft das Sarbanes-Oxley-Gesetz lediglich Regeln, die seit 1934 im Börsengesetz festgelegt sind. Damals schuf der Kongress die bis heute gefürchtete Finanzaufsicht SEC, um Börsenbetrug wie während des Aktienbooms der späten 1920er- Jahre zu unterbinden.

Die Androhung drakonischer Strafen wird dadurch relativiert, dass in der amerikanischen Rechtsprechung eine Verletzung der Sorgfaltspflicht sowie tatsächliche Interessenskonflikte schwer nachzuweisen sind. Mit Ausnahme besonders krasser Fälle können Manager sich oft damit herausreden, dass sie in gutem Glauben handelten oder dass ihre Entscheidung üblichen Geschäftsgepflogenheiten entsprach.

Hinzu kommt, dass praktisch alle börsennotierten Unternehmen in den USA Haftpflichtversicherungen für ihre Topmanager abschließen. Die Beiträge für diese so genannten D&O-Policen sind seit der Verabschiedung des Sarbanes-Oxley-Gesetzes um ein Vielfaches gestiegen.

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