Managerlöhne
Schweizer Aktionäre begehren zunehmend auf

In der Schweiz nimmt der Widerstand der Aktionäre gegen hohe Managerlöhne zu. Die Eigentümer fordern zudem mehr Mitbestimmung bei der Unternehmensführung. Auch die Zustimmungsquote geht laut einer Studie zurück.
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ZürichIn der Schweiz nimmt der Widerstand der Aktionäre gegen hohe Managerlöhne zu. Zudem pochen die Eigentümer auf mehr Mitsprache in Fragen der Unternehmensführung. Bei den diesjährigen Aktionärsversammlung der 200 größten börsennotierten Unternehmen lehnten die Eigentümer insgesamt 27 Vorschläge des Verwaltungsrats ab, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung des einflussreichen Stimmrechtsberaters Ethos hervorgeht. Außerdem wurden zahlreiche Anträge mit vergleichsweise niedrigen Zustimmungsquoten von lediglich 55 bis 65 Prozent gutgeheißen, wie Ethos-Präsident Dominique Biedermann sagte. „Das ist ein Signal, dass die Aktionäre nicht zufrieden sind.“

Insgesamt ging die Zustimmung zurück. So wurden dieses Jahr 6,6 Prozent der Anträge mit weniger als 80 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Diese Schwelle wird Experten zufolge von vielen Verwaltungsräten als Signal aufgefasst, ein Thema noch einmal anzugehen. 2016 erhielten lediglich 3,6 Prozent der von Verwaltungsräten zur Abstimmung unterbreiteten Vorschläge weniger als 80 Prozent Zustimmung.

Der Unmut der Aktionäre äußerte sich vor allem bei Gehaltsfragen. Insbesondere im Finanzsektor regte sich Widerstand gegen als überhöht empfundene Löhne: Die Zustimmungsquoten bei Vergütungsthemen waren geringer als in anderen Branchen. Ethos führt das auch darauf zurück, dass bei den Finanzunternehmen die Gehälter der Topmanager um vier Prozent stiegen, obwohl die Gewinne um 16 Prozent zurückgingen.

Prominentestes Beispiel ist die Credit Suisse: Nur 58 Prozent der Aktionäre hießen den Vergütungsbericht gut, der die Gehälter und Boni von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat regelt, obwohl das Top-Management der zweitgrößten Schweizer Bank auf Kritik der Eigentümer mit Gehaltskürzungen reagiert hatte. Beim Fondshaus GAM Holding lehnten die Eigentümer die Boni für die Geschäftsleitung sogar ab – ein Novum in der Schweiz.

Aber auch in Sachen Unternehmensführung und bei Personalien regte sich mehr Widerstand. So sprachen sich beispielsweise beim Elektrotechnikkonzern ABB und beim Zementproduzenten LafargeHolcim nur jeweils rund 60 Prozent der Aktionäre für eine Entlastung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat aus. Beim Uhren-Weltmarktführer Swatch blieb Nayla Hayek, die Tochter des Firmengründers, nur dank der größeren Stimmkraft der Namenaktien der Familie Präsidentin.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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