Mantel-Spekulation
Heiße Wetten auf Börsen-Zombies

Mit großem Getöse gingen Unternehmen wie Arcandor, Babcock, Holzmann und Walter Bau in die Pleite. Nur an der Börse sorgen die Firmen noch gelegentlich für Aufregung - denn dort führen sie eine Existenz als Untote.
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DüsseldorfDer Insolvenzverwalter Werner Schneider hat ein heimliches Faible, das Pfänden von Flugzeugen. Vor Jahren blockierte der umtriebige Ulmer Anwalt einen Airbus der libanesischen Middle East Airlines in Istanbul, im Juli eine Boeing des thailändischen Kronprinzen in München.
Schneider nutzt das ungewöhnliche Druckmittel, um offene Rechnungen der insolventen Walter Bau AG von zahlungsunwilligen staatlichen Auftraggebern einzutreiben. Diplomatische Verwicklungen scheut er nicht - der Erfolg gibt ihm recht. Libanon zahlte. Thailand, ist Schneider zuversichtlich, wird bis Jahresende abrechnen. Die Pfändung in München bewirkte immerhin eine Bankbürgschaft Thailands über 38 Millionen Euro, um den Flieger des Prinzen loszueisen.
Der Scoop des Verwalters wird in Online-Foren gefeiert. Private Zocker, die sich mit Aktien der Walter Bau AG eingedeckt haben, frohlocken. Bei Preisen um drei bis vier Cent pro Aktie ist das keine Frage des Geldes. Nur des Glaubens. Die Gemeinde von Pennystock (Pfennig-Aktien)-Händlern spekuliert darauf, dass Pleite-AGs eines Tages wie Phönix aus der Asche auferstehen. Und sie selbst kräftig Kasse machen, weil dann die Kurse durch die Decke gehen.

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