Marktbericht
Den Börsen vergeht die Lust auf mehr

Die letzte volle Börsenwoche bricht heute an und die Frage, wann in den verbleibenden elf Handelstagen des Jahres die von vielen Experten propagierte Jahresendrally anfangen soll, ist durchaus berechtigt. Wenn es tatsächlich noch dazu kommen sollte, dann müsste sich allmählich etwas tun.
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Dumm nur, dass all die mutmachenden Prognosen, die von steigenden Unternehmensgewinnen, leeren Lagern und einer höheren Nachfrage sprechen, dieser Tage von Sorgen um die Bonität Dubais, Griechenlands und Spaniens übertönt werden. Als Erfolg gilt es dabei schon, dass der Dax auf dem Niveau aus der vergangenen Woche gegangen ist, auf dem er in sie hineingegangen ist. "Sollte sich das Bild aus den zahlreichen Konjunkturindikatoren nächste Woche nicht sehr eindeutig in die positive oder negative Richtung entwickeln, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Aktienmärkte sich weiter seitwärts in dem relativ schmalen Korridor der vergangenen drei Monate bewegen", heißt es von der WestLB.

Viele geben sich mit dem Dax-Plus von 20 Prozent zufrieden

Für den Dax bedeutet das, dass das Jahreshoch von 5 888 Punkten in diesem Jahr nicht mehr verbessert werden könnte. Fraglich ist auch, ob die Mehrzahl der Investoren daran überhaupt ein Interesse hat. Viele dürften mit dem Jahresplus von 20 Prozent ganz zufrieden sein.

Zumal in dieser Woche einige Stimmungsindikatoren anstehen, die durchaus Rückschlagpotenzial bieten könnten. Die Konjunkturerwartungen des Mannheimer ZEW sind ebenso dabei wie die europäischen Einkaufsmanagerindizes und der Ifo-Geschäftsklimaindex. Der Dienstag und der Freitag sind dabei entscheidende Tage. Nun ist es so, dass die vom ZEW befragten Finanzexperten schon im Oktober und November nicht mehr den gleichen Optimismus gezeigt haben wie noch im Sommer. Und auch die Ifo-Umfrage, in die die Meinungen der deutschen Unternehmen eingehen, ist in puncto Zukunftserwartungen bereits sehr weit vorausgelaufen.

Somit droht aus Sicht der DZ-Bank-Experten der Zwiespalt zwischen der schon sehr heftigen Kurserholung in diesem Jahr auf der einen Seite und der unverändert attraktiven Bewertung gerade deutscher Aktien auf der anderen Seite.

Von Unternehmensseite kommt am Donnerstag mit Oracle noch die letzte weltweit bedeutende Gesellschaft in diesem Jahr mit Quartalszahlen. Gerade das Geschäft mit Standardsoftware gilt nach dem Ende einer Rezession stets als wesentlicher Gradmesser für die Tragfähigkeit des Aufschwungs.

Der Bondsmarkt bekommt durch Griechenland neuen Auftrieb

Auf der Gegenseite sind Anleihen, denen viele schon schwierige Zeiten prophezeit hatten, durch die jüngsten Nachrichten wieder gefragt. Sollten einige Konjunkturdaten in dieser Woche die Erwartungen verfehlen, dürfte dies dem Bondmarkt weiteren Auftrieb geben. Daneben steht die Frage im Mittelpunkt, wie viel Liquidität sich die europäischen Banken durch den neuen Zwölfmonatstender der EZB besorgen werden. Dem sollen zum einen keine weiteren folgen, zum anderen bietet er schon jetzt nicht mehr die superattraktiven Konditionen der Vergangenheit, sondern nur noch sehr attraktive Zinsen. "Wir rechnen für den Jahrestender mit einer sehr soliden Nachfrage", heißt es von der DZ Bank.

Bleibt noch der Euro, der in der vergangenen Woche nach der Schwäche seiner Mitgliedsstaaten Griechenland und Spanien wenig überraschend verloren hatte. Von einer "griechischen Tragödie" sprechen deshalb die Experten der Helaba. Das klassische europäische Problem, wer für die Schulden der Einzelstaaten haftet, rückt damit wieder in den Vordergrund. Deshalb verliert die Gemeinschaftswährung auch die Gunst der Anleger, glauben die Analysten.

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