Markthintergrund
Übernahmespekulationen treiben RWE-Aktie

Erneute Übernahmegerüchte haben die RWE-Aktie am Freitag in einem schwachen Dax-Umfeld um zeitweise über fünf Prozent in die Höhe getrieben.

HB FRANKFURT. Nachdem zunächst der Radiosender SWR über ein Interesse des französischen Energiekonzerns EdF an seinem Wettbewerber aus Essen berichtet hatte, kamen am Markt zudem erneut Spekulationen über einen möglichen Einstieg des russischen Gaskonzerns Gazprom auf.

Ein Sprecher des Moskauer Monopolisten wies dies allerdings umgehend zurück. Gazprom habe bereits vor langer Zeit gesagt, dass man an RWE nicht interessiert sei, sagte er. Gazprom wurde in den vergangenen Monaten immer wieder mit RWE in Verbindung gebracht, weil das russische Unternehmen einen stärkeren Zugang zum westeuropäischen Endkunden-Markt sucht. Auch der RWE-Vorstandsvorsitzende Harry Roels hatte auf der jüngsten Hauptversammlung im April noch darauf verwiesen, dass es keine Gespräche hierüber gebe.

RWE hat nach eigenen Angaben auch keine Hinweise auf ein Übernahmeinteresse der französischen Electricite de France (EdF). „Wir haben keine Anzeichen für eine Übernahme von RWE durch EdF“, sagte eine Sprecherin am Freitag.

Der Südwestrundfunk (SWR) hatte zuvor berichtet, Vertreter des Pariser Konzerns seien bereits im Kanzleramt in Berlin vorstellig geworden und hätten dort ein Memorandum of Understanding übergeben. Danach habe sich EdF nach einem Einstieg bei RWE dazu verpflichtet, ihre Beteiligung an der EnBW Energie Baden-Württemberg AG zu veräußern, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.

Ein EnBW-Sprecher sagte, man nehme grundsätzlich nicht zu Angelegenheiten der eigenen Aktionäre Stellung. Der französische Energiekonzern hält 45,01 Prozent der EnBW-Anteile und damit ebenso viele wie der kommunale Verbund Oberschwäbische Elektrizitätswerke.

Nach dem SWR-Bericht ist EdF mit der Beteiligung unzufrieden - nicht nur wegen der erzielten Gewinne, sondern auch mit dem Minderheitsposition. Der jetzt geplante Deal mit RWE soll nach SWR-Informationen über das Investmenthaus Dresdner Kleinwort abgewickelt werden. Für die EnBW stehe mit der australischen Babcock & Brown Equity-Fonds der nächste Investor bereit, berichtete der Sender ohne Angabe genauer Quellen.

Die Bundesregierung dementierte am Freitag Kontakte zu EdF in diesem Fall. Und auch der Pariser Konzern wies dies zurück. Normalerweise kommentiere das Unternehmen Marktspekulationen nicht, sagte ein Sprecher von EdF Dow Jones Newswires. „In diesem speziellen Fall dementieren wir jedoch jegliche Kontakte mit deutschen Behörden hinsichtlich RWE.“ Die Frage, ob es Pläne gäbe, für RWE zu bieten, wollte der Sprecher nicht weiter kommentieren.

Ein EdF nahe stehende Person sagte am Freitag, es sei sehr wahrscheinlich, dass es Kontakte zwischen den Unternehmen gegeben habe, da derzeit in der Branche jeder mit jedem in Europa spreche. Allerdings sei eine Übernahme von RWE schon in der Vergangenheit schwer gewesen. Und die Berufung von Jürgen Großmann zum designierten Vorstandsvorsitzenden mache die Sache nicht unbedingt leichter.

Die RWE-Aktie wurde am Freitag zum Handelsauftakt deutlich von dem Bericht nach oben getrieben. Bis 11.00 Uhr gewann die Aktie 4,9 Prozent auf 81,80 EUR - bei nur zwei Gewinnertiteln zu dieser Zeit im DAX.

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