Max Otte, Gottfried Heller & Co.
Die Börsen – viel Psychologie, kaum Fakten?

Emotionen bestimmen das Treiben an den Märkten. Das wusste schon André Kostolany. Er war überzeugt, die Börse reagiere gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Doch wie viel Psychologie steckt wirklich in den Kursen?
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DüsseldorfDas Leben steckt voller Emotionen. Menschen sehen, schmecken, riechen, hören oder tasten. Und all das weckt Gefühle. Menschen sehen nie einfach nur ein Auto, sondern ein schönes oder hässliches, ein teures oder billiges Auto. Im Zweifel weckt der sportliche Flitzer des Nachbarn auch Neid und Missgunst oder den dringenden Wunsch, ein ähnliches ober sogar noch besseres Gefährt zu kaufen. Entscheidungen werden hoch emotional getroffen. Das ist an der Börse nicht anders als beim Autokauf.

Einer, der erkannt hat, wie emotional Menschen bei der Geldanlage agieren, war André Kostolany. „Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten“, sagte der Börsenaltmeister einst. „Alles andere ist Psychologie.“ Kostolanys einfache Antwort darauf, was die Märkte bewegt, lautet also: Stolze 90 Prozent dessen, was an der Börse geschieht, sind Emotionen. Manfred Hübner vom Analysehaus Sentix kann dieser Börsenweisheit nur zustimmen. „Unabhängig davon, wie viel Prozent exakt der Faktor Psychologie ausmacht, stimmt die Aussage in der Tendenz“, sagt der Experte für Börsenpsychologie. „Die Wahrnehmung der Menschen ist nicht nur rational, sondern auch emotional geprägt.“ Sein Haus misst wöchentlich die Stimmung der Anleger und zieht daraus wichtige Erkenntnisse über die Psychologie der Investoren und die künftige Börsenentwicklung.

Obwohl viele Börsenexperten sehr wohl wissen, wie gefühlsgeladen die meisten Anlageentscheidungen sind, waren Emotionen lange das Stiefkind der Forschung, für Ökonomen eine Art Störfeuer. Die klugen Köpfe ignorierten den wahren, den emotionalen Menschen. Stattdessen setzten sie bei ihren Berechnungen und Modellen lange Jahre auf den „Homo Oeconomicus“. Dieses Phantasiewesen handelt logisch, rational, vollkommen emotionslos, eigennützig und ist einzig auf seinen materiellen Nutzen und seinen Vorteil aus. Er weiß ganz genau, was er will. Gier oder Angst, Unentschlossenheit oder Panik sind ihm völlig fremd. Nur leider ist der echte Mensch auch nicht im Entferntesten verwandt mit diesem Modellwesen.

Der handelt nämlich sehr wohl emotional und macht an der Börse viele Fehler. Mal ist er „branchenverliebt“, viel zu heimattreu. Dann wieder sind seine Urteile völlig verzerrt, er folgt blind seinem Bauchgefühl, oder er lässt sich von anderen mitreißen, nimmt Chancen und Risiken falsch wahr. Zweifel, Zuversicht Gier, Hochmut, Schrecken, Hoffnung, Ratlosigkeit, Angst, Panik, Reue und Abscheu – Anleger durchlaufen bei der Geldanlage eine Vielzahl von Gemütszuständen. Es ist ein sich wiederholender Zyklus. Es sind immer wieder dieselben Gedanken, dieselben Reaktionen und dieselben Fehler.

Dass die Psychologie unser Anlageverhalten nicht nur beeinflusst, sondern zu einem großen Teil bestimmt, haben längst auch die Forscher erkannt. Inzwischen beschäftigt sich ein eigener Forschungszweig, die Behavioral Finance, mit dem pseudo-rationalen Anlageverhalten. Diese noch recht neue Wissenschaft – zu deutsch verhaltensorientierte Finanzmarktanalyse – berücksichtigt die Tatsache, dass sich die Anleger eben nicht streng rational verhalten.

Kommentare zu " Max Otte, Gottfried Heller & Co.: Die Börsen – viel Psychologie, kaum Fakten?"

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  • Ich dachte immer der richtige Ein-und Ausstiegszeitpunkt,wäre neben der richtigen Auswahl,einer breiten Streuung und einer regelmäßigen Depot-Überprüfung wichtig für den Anlageerfolg.
    Gegen den Herdentrieb,der Panik,der Gier und anderen menschlichen Eigenschaften ist eh kein Kraut gewachsen.

  • Ein sehr spannendes und schönes Thema mit einigen alltagstauglichen Weisheiten.

    Aber als Sozialwissenschaftler & Psychologe rollen sich bei mir natürlich die Fussnägel hoch.

    Kurz - Psychologie umfasst das menschliche Erleben & Verhalten - so lange Computer nicht gänzlich bestimmen (der Faktor Mensch also nicht involviert ist), ist also 100% Psychologie im Spiel. Manchmal eben ganz unbewusst.

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