Medienbericht
Welche Risiken in Dax-Bilanzen schlummern

Nicht nur ungedeckte Pensionsverpflichtungen sind für manche Bilanz eines Konzerns ein Menetekel. Auch eine ab 2017 geltende Neuregelung bestimmter Verbindlichkeiten kann noch viel größere Lücken aufreißen.
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DüsseldorfUngedeckte Pensionsansprüche und künftig in der Bilanz auszuweisende Leasingkosten summieren sich bei den 30 Dax-Konzernen zu Bilanzrisiken von rund 75 Milliarden Euro. Das berichtet die Wirtschaftswoche. Durch die niedrigeren Zinsen schlagen künftige Pensionslasten stärker zu Buche. Bei den Pensionsverpflichtungen klafft demnach laut letzten Geschäftsberichten eine Lücke von 14,5 Milliarden Euro.

Dramatisch könnte sich eine Neuregelung zur Erfassung von Leasingschulden auswirken, die zum 1. Januar 2017 gelten soll. Weil bisher außerhalb der Bilanz geführte Verbindlichkeiten aus solchen Verträgen dann in die Bilanz müssten, stiegen die Schulden aller 30 Dax-Unternehmen um insgesamt 61,8 Milliarden Euro.

Das Düsseldorfer Magazin hat die Universität St. Gallen, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, die Frankfurter Beratungsgesellschaft Mercer und die Stuttgarter FAS AG beauftragt, die Bilanzen der 30 Dax-Unternehmen auf Problemfelder zu untersuchen.

Insgesamt müssen die Finanzchefs binnen zweier Geschäftsjahre das Eigenkapital zulasten von gestiegenen Pensionsverpflichtungen um 71 Milliarden Euro reduzieren. Der Grund ist der im Durchschnitt von 4,8 auf 3,5 Prozent gesunkene Rechnungszins, mit dem Pensionslasten abgezinst werden. Je niedriger dieser Zins, desto höher die Verpflichtungen, die laut WirtschaftsWoche vergangenes Jahr um knapp 54 auf 310 Milliarden Euro nach oben geschnellt sind.

Den Löwenanteil der nicht gedeckten Pensionslasten tragen wenige Konzerne. Eine Unterdeckung von 6,7 Milliarden Euro hat allein Daimler. Knapp 4,2 Milliarden Euro fehlen bei der Allianz, 3,8 Milliarden bei der Deutschen Lufthansa, 2,5 Milliarden Euro bei der Deutschen Post. Im Gegenzug gibt es Dax-Konzerne, deren Konto sogar im Plus ist. Über die größten Überschüsse aus Rückstellungen und ausgelagertem Pensionsvermögen verfügen Siemens (958 Mio. Euro) und die Deutsche Bank (926 Mio. Euro).

Bei möglicherweise in einigen Jahren zu bilanzierenden Leasingschulden liegt laut WirtschaftsWoche die Deutsche Telekom vorn: die zusätzlichen Schulden aus Mietkaufverträgen liegen bei 13,4 Milliarden Euro. Erhebliche Extra-Schulden haben auch Daimler (8,5 Mrd. Euro), die Deutsche Post (5,1 Mrd.), die Deutsche Bank (4,0 Mrd.), Volkswagen (3,8 Mrd.), Lufthansa (3,5 Mrd.) und Siemens (2,6 Mrd.).

HB

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  • Die Bewertung ist schon mit dem Buchungsstandard IAS39 und erst recht mit IFRS9 und -11 wachsweich geworden. Da errechnet man sich etwas (mark-to-model) statt realistische Preise, die gezahlt werden (mark-to-market)anzusetzen.
    Wetten beziffert der "ehrbare Kaufmann" mit Null.
    Gerd Schroeder, Flensburg

  • Den Löwenanteil der nicht gedeckten Pensionslasten tragen wenige Konzerne. Eine Unterdeckung von 6,7 Milliarden Euro hat allein Daimler.

    Kein Wunder, bei der 'Gurkentruppe' im Management:

    -- Edzard Reuter - 100 Mia DM Verlust
    -- Jürgen Schrempp - 100 Mia EUR Verlust
    -- Dieter Zetsche - 20 Mia EUR Verlustverkauf Chrysler...

    ....FIAT macht mit CHRYSLER übrigens Gewinne.

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