Mehr Börsengänge
London schlägt New York

Böses Blut zwischen den Börsen in London und New York: Spätestens seitdem die amerikanische Nasdaq mit der Übernahme der britischen LSE gescheitert ist, herrscht offene Rivalität. Umso schmerzhafter sind für die Wall Street nun die Erfolgszahlen, die aus London kommen.

LONDON. Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache. Im ersten Quartal sammelten Unternehmen an der Londoner Börse LSE und am britischen Wachstumssegment Alternative Investment Market (AIM) mit Börsengängen ein Drittel mehr Kapital ein, als an der Wall Street. Von Januar bis März wurden den Daten des Informationsdienstes Thomson Financial zufolge in London neue Aktien im Wert von 11,2 Mrd. Dollar platziert. An den New Yorker Börsen Nasdaq und Nyse waren es dagegen nur 8,3 Mrd. Dollar.

Der Londoner Erfolg dürfte den erbitterten Wettbewerb zwischen den beiden Finanzzentren weiter anheizen. Spätestens seit die US-Technologiebörse Nasdaq Anfang des Jahres mit ihrem feindlichen Übernahmeangebot für den britischen Konkurrenten LSE scheiterte sind die transatlantischen Beziehungen vergiftet. Seither tobt zwischen London und New York der Krieg der Worte.

Anfang März hatte Roel Campos, Commissioner bei der US-Börsenaufsicht SEC, den AIM in einer Rede als "Kasino" bezeichnet, an dem 30 Prozent der gelisteten Unternehmen innerhalb eines Jahres wieder verschwinden würden.

Auch einige Investoren bemängelten die zu laxe Regulierung des britischen Einsteigersegments für mittelständische Unternehmen. Bereits im vergangenen Jahr analysierte die LSE deshalb mit Marktteilnehmern die Regulierungsstandards des alternativen Marktes. Ergebnis war ein neues Regelwerk für die gelisteten Unternehmen sowie härtere Anforderung für die Banken, die die AIM-Kandidaten betreuen.

Trotz dieser Nachbesserungen reagieren die Briten reichlich verschnupft auf die Kritik aus den Vereinigten Staaten. Die USA sollten endlich mit der Nabelschau aufhören und die zweifelhafte Annahme aufgeben, dass die Wall Street das natürliche Zentrum des Kapitalismus sei", ließ die streitbare LSE-Chefin Clara Furse in dieser Woche in einem offenen Brief wissen.

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