Mehr Wettbewerb geplant
Frankfurter Börse will Parketthandel reformieren

Die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) will auch nach Ende des gesetzlichen Bestandsschutzes für die ehemaligen amtlichen Kursmakler Mitte 2005 am Parketthandel festhalten. Mit neuen Regeln für die Makler soll der Parketthandel dann stärker auf Kleinanleger zugeschnitten werden.

HB FRANKFURT. „Das Angebot an die Privatanleger mit einem Spezialistensystem wird es weiter geben“, sagte Rainer Riess, bei der FWB-Betreibergesellschaft Deutsche Börse zuständig für die Entwicklung des Aktienmarktes, der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Im Parketthandel führen spezialisierte Aktienhändler, die so genannten Skontroführer, An- und Verkaufsaufträge zu einem Kurs zusammen. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra dagegen wird dies automatisch von einer Software geleistet.

Ende Juni 2005 endet der Bestandsschutz für die ehemals amtlichen Börsenmakler am Parkett. Erst mit Ablauf dieser Frist kann die FWB die Aufgaben der Skontroführer neu festlegen und damit stärker auf die Bedürfnisse der Kleinanleger zuschneiden.

Riess sagte, es sei vorstellbar, dass Skontroführer sich in Zukunft an neue Auflagen halten müssen. Dazu könnte gehören, dass Anlegern vor der Orderaufgabe der Ausführungskurs klar sein müsse und dass die Differenz (Spread) zwischen An- und Verkaufskurs bestimmte Grenzen nicht überschreiten dürfe. In sehr liquiden Werten könnten die Spezialisten auch gehalten sein, mindestens einen so günstigen Preis wie auf dem elektronischen Handelssystem Xetra zu bieten, sagte Riess. Er betonte, dass die Neuordnung zunächst erneut vom Börsenrat der FWB diskutiert werden müsse. Die nächste Sitzung des Börsenrates, in dem Vertreter von Banken, Aktienhändlern und Unternehmen vertreten sind, ist für Oktober angesetzt.

Der Parketthandel in Frankfurt und an den Regionalbörsen leidet seit langem unter dem Erfolg von Xetra, über das mehr als 90 Prozent der Aktien aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) gehandelt werden. Der Rest der Umsätze verteilt sich vor allem auf das Frankfurter Parkett und die zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart. Diese hat sich erfolgreich auf Kleinanleger spezialisiert und wirbt unter anderem damit, oft günstigere Kurse zu stellen, als sie auf Xetra verfügbar seien. Stuttgart profitiert nach Einschätzung von Experten auch davon, dass dort nur noch zwei Börsenmakler tätig sind. Dies mache ein Kontrolle der Kursqualität, also zum Beispiel der Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, einfacher, sagen Experten. In Frankfurt arbeiten derzeit 15 Skontroführer.

Offenbar plant die Deutsche Börse auch mehr Wettbewerb zwischen den Spezialisten. „Es ist vorstellbar, dass die Skontren demnächst nach Performance (Leistung) vergeben werden“, sagte Riess. Auf die Frage, ob eine jährliche Neuvergabe wie an anderen Börsen vorstellbar sei, sagte er: „Wir schauen uns viele Marktmodelle an.“ Bis zum 30. Juni 2005 ist den aktuellen Skontroführern durch den gesetzlichen Bestandsschutz ihre historisch gewachsende Zuständigkeit für bestimmte Aktien garantiert.

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