Mehrheit noch nicht sicher
Zitterpartie für Buzzi Unicem

Die Vorzugsaktionäre der deutschen Zementherstellers Dyckerhoff AG lassen sich vom italienischen Großaktionär Buzzi Unicem S.p.A. offenbar nicht becircen. Lediglich 31,34 % von ihnen haben das von den Italienern Anfang dieses Monats gemachte Übernahmeangebot bisher angenommen. Und am Dienstag endet das freiwillige Angebot an die Dyckerhoff-Vorzugsaktionäre, eine Aktie gegen 2,4 Buzzi-Papiere zu tauschen.

kri/agr/cb CASALE MONFERRATO. Dabei hatten die Buzzis, die bereits 49 % der Dyckerhoff-Stämme und 6,65 % der Vorzüge halten, ein Minimum von 50 % als Bedingung für die Durchführung des Umtauschangebotes gesetzt. Die Nummer zwei der italienischen Zementindustrie, die seit Juni 2001 Großaktionär bei Dyckerhoff ist, will dennoch an ihrer Strategie festhalten und schließt ein Delisting oder ein Squeeze-out aus.

Die Übernahme läuft weiter, „vielleicht zu schnell“, räumt Franco Buzzi, Vizepräsident des Unternehmens und Präsident der beiden Familienholdings, ein. Der Dyckerhoff- Konzern habe die für Ende 2004 geplante Fusion beschleunigen wollen. Bis dahin hat Buzzi Unicem die Option, seinen Anteil an Dyckerhoff um weitere 24 % zu erhöhen.

Noch müssen sich die Wiesbadener für ihren Großaktionär herausputzen. Denn für Dyckerhoff war das Jahr 2002 schwierig: Der Umsatz sank um knapp 6 % auf 1,5 Mrd. Euro. In Deutschland ließen die Baukrise und der Preiskrieg auf dem Zementmarkt den Umsatz um fast 15 % abstürzen. Unter dem Strich machte der Konzern knapp 130 Mill. Euro Verlust. Mit einem Umstrukturierungsprogramm versucht Dyckerhoff, die Kosten um 95 Mill. Euro zu drücken. Beteiligungen, beispielsweise an den Anneliese Zementwerken, wurden verkauft, die Konzernstruktur verschlankt. Im ersten Quartal 2003 sank die Zahl der Mitarbeiter um 14 % auf knapp 9 000. 69 % der Belegschaft arbeitet im Ausland. Im Vorjahr waren es 64 %. Im laufenden Jahr erwartet Dyckerhoff einen Umsatz, der mit 1,3 Mrd. Euro leicht unter dem um Verkäufe der Beteiligungen bereinigten Niveau des Vorjahres liegen wird. Auch ohne Buchgewinne aus Verkäufen soll das Ergebnis positiv sein.

Das wäre im Sinne von Buzzi Unicem, für die die Übernahme von Dyckerhoff ein großer Schritt ist. Das Familienunternehmen mit mehr als 100 Jahren Geschichte, hieß bis zur Übernahme der damals zur Fiat-Gruppe gehörenden Unicem vor vier Jahren Fratelli Buzzi, Gebrüder Buzzi. „Wir sind die dritte Generation und bereiten den Weg für die vierte“, sagt Franco Buzzi.

Den Sprung aus der Provinz auf die Weltmärkte haben die Buzzi-Brüder Franco, Sandro und Enrico in einer Generation geschafft. Seit 1979 besitzen sie Werke in ganz Italien, in den USA und in Mexiko, insgesamt 20. Heute ist ihr Unternehmen an der Börse. „Buzzi allein verkaufte ca. 3,5 Millionen Tonnen Zement pro Jahr. Mit Unicem haben wir das Volumen verdreifacht, 2002 waren es 13,6 Millionen Tonnen, mit Dyckerhoff werden es 30 Mill. Tonnen mit weltweit 47 Standorten“, sagt Franco Buzzi

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Als Global Player sehen die Brüder aus Casale Monferrato ihre Zukunft dennoch nicht. „Dafür haben wir weder die finanziellen Ressourcen noch die Management-Struktur“, sagt Sandro Buzzi, CEO und Präsident. Konsolidierung und Effizienzsteigerung seien die Pläne für die kommenden 2 bis 3 Jahre. „Wir müssen die Schulden reduzieren,“ sagt Finanzchef Pietro Buzzi, denn Dyckerhoff stecke in einer schwierigen Situation. Einen weiteren Stellenabbau soll es bei Dyckerhoff aber nicht geben. Auch soll die Arbeit zwischen Italien und Deutschland aufgeteilt werden. „Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung geht in jedem Fall nach Wiesbaden“, betont Franco Buzzi, „aber die Strategie bestimmen wir.“

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