Michael Harms im Interview
„Risiken vermeiden, langfristig investieren“

Wer schon immer wissen wollte, wie die Reichen ihr Geld anlegen, muss Michael Harms fragen. Der Anlagestratege der Privatbank Delbrück Bethmann Maffei ist für das Vermögen besonders betuchter Kunden verantwortlich. Im Interview mit Handelsblatt.com spricht er darüber, wie es an den Märkten weitergeht und welche Strategie sich langfristig auszahlt.

Herr Harms, die Aktienmärkte haben sich nach ihrer Talfahrt deutlich erholt, die Konjunktur scheint ebenfalls zu drehen. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein, liegt das Schlimmste hinter uns?

Wir haben den Tiefpunkt im Schlussquartal 2008 und im Startquartal 2009 erreicht. Im dritten Quartal 2009 wird die Weltwirtschaft noch schrumpfen. Im vierten Quartal geht es in den USA und in den Schwellenländern bergauf, die Konjunktur Europa und Japan wird hingegen weiter rückläufig sein. Anschließend werden wir für etwa anderthalb Jahre eine Phase mit limitiertem Aufwärtspotenzial sehen. Wenn eine Rezession zu Ende geht und die Spätfolgen zu beseitigen sind, wirkt dies meist bremsend auf mögliche Kursimpulse.

Sie betreuen vor allem vermögende Kunden. Haben die Reichen die Krise besser überstanden als "Otto Normalsparer"?

Das kann man nicht pauschal beurteilen. Es zeigt sich aber, dass ein risikobetonter Ansatz in der Anlagepolitik sinnvoll ist. Ein erheblicher Teil der langfristigen Wertentwicklung basiert darauf, Verluste zu vermeiden. Durch die umfassende Berücksichtigung der Risiken und eine konsequente Portfoliodiversifikation werden unsere Kunden zwar nicht von jeder Hausse in vollem Umfang profitieren. Aber dafür spiegelt sich auch ein Einbruch des Dax um 40 Prozent nicht vollständig in den Kundendepots. Die meisten unserer Kunden investieren einen wesentlichen Teil ihres Vermögens ohnedies in langfristige Anlagen, auch außerhalb der Börsen, und halten nur einen kleineren Teil marktnah in liquiden Anlageformen.

Trotzdem ist es unvorstellbar, dass es während der schlimmsten Phase des Absturzes an den Märkten bei Ihnen ruhig geblieben ist.

Natürlich waren auch Kunden von Delbrück Bethmann Maffei in dieser Marktsituation beunruhigt. Wir haben deshalb mit unseren Kunden intensiv über Themen wie die richtige Portfolioallokation, die maximalen Anlagerisiken oder die künftige Marktentwicklung gesprochen. So konnten wir trotz des nicht einfachen Umfelds sogar beachtliche Neumittelzuflüsse verzeichnen und neue Kunden gewinnen.

Wie haben Sie auf die jüngste Entwicklung an den Märkten reagiert?

Wir haben seit Jahresanfang das Risiko in den Portfolien insgesamt moderat ausgeweitet. Bei Aktien sind wir aus einer deutlichen Untergewichtung in eine neutrale Position gewechselt. Von Staatsanleihen sind wir auf Unternehmensanleihen mit einem Rating von "AAA" bis "A-" umgestiegen.

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