Milliarden für die Wirtschaft
Hilfspaket: „China schafft Vertrauen“

Mit einem milliardenschweren Hilfspaket stützt China seine Wirtschaft. Handelsblatt.com sprach mit Oliver Stönner, Schwellenländer-Experte bei Cominvest, über die Aussichten an den chinesischen Börsen und die Gemeinsamkeiten zu früheren Wirtschaftskrisen.

Herr Stönner, China will mit umgerechnet 460 Mrd. Euro seine Wirtschaft päppeln. Wie beurteilen Sie dieses doch sehr große Hilfspaket?

Die Größe des Pakets ist letztlich nicht das Entscheidende. Da muss auch abgewartet werden, woher das Geld kommt und wie viel davon schon im Haushaltsplan steckt. Entscheidender ist der Strategieschwenk, den die Regierung vollzieht. In den vergangenen Jahren war China eher damit beschäftigt, die fast schon ungesunden Wachstumsraten etwas zu dämpfen. Jetzt, in der Krise, zeigt Peking, dass das Wachstum unter allen Umständen gestützt werden soll. Das hilft auch der Weltwirtschaft.

Hat das Paket möglicherweise Vorbildfunktion für die anderen aufstrebenden Schwellenländer wie Russland oder etwa Indien?

Teilweise ist das in den Ländern ja schon zu beobachten. Natürlich hängt vieles von dem jeweiligen finanzpolitischen Rahmen ab. China ist da im Vergleich sehr viel flexibler als etwa Indien oder Brasilien, weil es weit weniger verschuldet ist und größere Reserven hat. International stärkt ein solches Milliardenpaket den chinesischen Einfluss. Der Druck auf die entwickelten Industrienationen, den Schwellenländern ein höheres Gewicht in internationalen Institutionen wie etwa dem IWF einzuräumen, wächst.

Kritiker sagen, Chinas Hilfspaket sei zu einseitig angelegt, beim Verbraucher komme letztlich nichts davon an. Was sagen Sie dazu?

Die Einschätzung teile ich nicht. Natürlich wird sehr viel in klassische Industrien investiert, aber eben auch in andere Bereiche wie etwa den Umweltschutz, Infrastrukturprojekte im Hinterland oder den sozialen Wohnungsbau. Oberstes Ziel ist es, möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen. Das stärkt die Einkommen der Chinesen und fördert die inländische Nachfrage.

Was bedeutet das für die Börsen in China?

Auf längere Sicht waren wir ohnehin zuversichtlich, was die Entwicklung der asiatischen Märkte betrifft. Die Prognosen wurden in den vergangenen Monaten doch arg zusammengestrichen; die Kurse sind kräftig abgesackt. Da wurde auch ein bisschen übertrieben. Das Konjunkturpaket bringt wieder mehr Rationalität in die Debatte und dürfte die Märke stützen.

Wie sieht es bei den Handelspartnern aus?

Zunächst einmal signalisiert das Paket, dass die Investitionstätigkeit in China nicht vollkommen zusammengebrochen ist. Das schafft Vertrauen. Zuallererst dürften die Rohstoff exportierenden Länder profitieren. Wichtig wird auch sein, wie der private Konsum anspringt. Aus unserer Sicht wird das funktionieren; die Nachfrage sollte sich sogar recht dynamisch entwickeln. Das hilft natürlich auch den Handelspartnern Chinas – Japan und Korea, aber auch Europa oder den USA. Nach der Asienkrise 1997 und dem DotCom-Zusammenbruch 2001 ist das den Chinesen übrigens auch gelungen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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