Mini-Finanzplatz Damaskus
Syrien startet eigenen Aktienmarkt

Jetzt hat auch Syrien seine eigene Börse. Gehandelt wird zwar lediglich zweimal in der Woche - und die Auswahl an Unternehmen ist gering. Aber das politische Signal ist durchaus bedeutsam.

DÜSSELDORF. Der syrische Finanzminister griff mit ausholender Gestik zur Glocke und sprach große Worte: "Die neue Börse leitet eine Wende in unserer Wirtschaft ein." Der Start ist zwar bescheiden. Derzeit sind bloß sechs Firmen an der Börse registriert, und gehandelt wird lediglich zwei Mal in der Woche: am Montag und am Donnerstag. Wenn an einem Tag 1 000 Dollar umgesetzt werden, sorgt das bereits für Aufsehen.

Aber die Eröffnung der Börse ist ein politisches Signal, dass sich Syriens Ökonomie dem Westen öffnet. Präsident Bashir Assad will die Wirtschaft liberalisieren und privatisieren. "Wir sind zuversichtlich, dass die Börse Investoren ermuntern und dazu beitragen wird, Kapital und Ersparnisse zu absorbieren," sagt deshalb Finanzminister Mohammed al-Hussein.

Voraussetzung für den Erfolg des jungen Mini-Finanzplatzes Damaskus ist eine politische Umwälzung. Denn US-Präsident George Bush zählte Syrien zur "Achse des Bösen". 2005 wurden der US-Botschafter aus Damaskus abgezogenen und Wirtschaftssanktionen erlassen. Syrien unterstützte Terrororganisationen sowie Aufständische im Irak und sei an der Ermordung des libanesischen Premiers Rafik Hariri beteiligt gewesen, begründete Washington die Ächtung Syriens.

Doch jetzt erfährt Damaskus eine diplomatische Aufwertung. Obwohl Assad enge Beziehungen zur Islamischen Republik und zu Terrororganisationen pflegt, wird er in europäischen Hauptstädten empfangen. Neuerdings finden sogar "konstruktive Gespräche" mit den USA statt. Das alles legt das Fundament für die Börse.

Noch ist der Alltag der syrischen Diplomaten freilich hektischer als das Pensum der Börsianer. An der "Damascus Security Exchange" geht es gemächlich zu. So wird bei Preisschwankungen von mehr als zwei Prozent der Handel eingestellt, um Spekulanten auszuschließen. Am Anfang könne Vorsicht nämlich nicht schaden, meint ein syrischer Ökonom: "Denn Syrer müssen die Kultur des Börsenhandels erst noch erlernen."

Syriens Finanzplatz hat noch einen weiten Weg vor sich. Ein neues Gesetz muss erst noch dafür sorgen, dass syrische Firmen international gültige Buchführungsregeln anwenden. Das werde die Zahl der gelisteten Firmen erhöhen, hofft al-Hussein. Bis Ende 2009 werden 20 Firmen am Ring gehandelt werden, erwarten die Öffnungsstrategen in Damaskus. Die Liquidität im Markt sowie der Wunsch der Banken nach Investitionsmöglichkeiten würden die Börse beleben, heißt es in Damaskus. Die Öffnung zum Westen trägt bereits die ersten Früchte. Denn die Einweihung der Börse musste in den vergangenen vier Jahren mehrmals verschoben werden. Als Folge der Sanktionen konnte die Computertechnologie für den Börsenhandel nicht beschafft werden.

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