Missverständliche Aussagen zu Zinserhöhung
EZB verunsichert Finanzmärkte

Die Kommunikation der Europäischen Zentralbank (EZB) mit den Märkten sorgt weiterhin für Verwirrung.

HB FRANKFURT. „Gemessen an den Marktreaktionen ist die Kommunikation seit vergangenen Freitag nicht glatt gelaufen“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, dem Handelsblatt. „Da ist keine klare Linie drin“, kritisierte auch Joachim Fels, Chefvolkswirt Europa von Morgan Stanley. „Das zeigt, dass es bei Zentralbanken auch zu viel Kommunikation geben kann.“

Nach teils widersprüchlichen Aussagen von EZB-Ratsmitgliedern hatte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Freitag der anhaltenden Unsicherheit über den Kurs der EZB ein Ende gesetzt. Der EZB-Rat sei bereit, die Zinsen moderat anzuheben, sagte er. Die Märkte verstanden darunter eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte zum 1. Dezember. Kaum war aber eine Unsicherheit beseitigt, sorgte die EZB für eine neue: durch relativierende Äußerungen ihres Präsidenten am Montag und erneut widersprüchliche Äußerungen verschiedener Ratsmitgliedern am Dienstag.

„Es wäre keine gute Arbeitshypothese, davon auszugehen, dass wir am Anfang einer Serie von Zinserhöhungen stehen“, sagte Trichet vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments. Seine Worte waren missverständlich. „Trichet hat an den Märkten die Frage aufgeworfen, ob das im Dezember eine einmalige Aktion wird oder ob weitere Zinsschritte folgen werden“, erläuterte Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank. „Worauf es ihm aber in Wirklichkeit ankam, war zu sagen, dass jeder Schritt überlegt und begründet werden müsse und dass man nicht eine Reihe von Zinsschritten auf Vorrat beschlossen hätte.“ Manche Marktakteure hätten sogar wieder Zweifel, was die EZB im Dezember machen werde, berichtete Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Deutschland von Barclays Capital.

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