Mit dem Versicherungskonzern Allianz hat gestern der letzte deutsche Großaktionär seine Beteiligung verkauft
Ausland hält Mehrheit an Deutscher Börse

Die Deutsche Börse AG hat ihren letzten einheimischen Großaktionär verloren. Die Allianz hat gestern ihren fünfprozentigen Anteil für 263 Mill. Euro verkauft. Der Versicherer nutzte damit die gute Kursentwicklung der Börsen-Aktie, die sich in den vergangen Wochen auf den historischen Höchststand zubewegt hatte.

FRANKFURT/M. Nach Angaben der Allianz-Tochter Dresdner Bank, deren Investmenttochter Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) den Verkauf managte, wurden die 5,6 Mill. Titel zu einem Stückpreis von 46,8 Euro bei institutionellen Anlegern in Deutschland, Europa und den USA platziert. Das Orderbuch sei sehr schnell zweifach überzeichnet gewesen, sagte Achim Schäcker, bei DKW verantwortlich für die Platzierung. Die Börse reagierte, wie bei Großplatzierungen oft der Fall, mit einem Kursabschlag. Die Börsen-Aktie gab gestern Abend mehr als 2 Prozent nach.

Der Verkauf des Allianz-Pakets hat in Finanzkreisen nicht überrascht. In den vergangenen Monaten hatten bereits eine ganze Reihe von Banken und Maklerhäusern ihre Anteile an der Börse versilbert. Erst vor wenigen Wochen hatte sich etwa die Commerzbank von ihrem Vier-Prozent-Paket getrennt. Die Deutsche Bank – lange Zeit der größte Einzelaktionär der Börse – hatte ihre 9,3 Prozent bereits im vergangenen Oktober verkauft.

Die Allianz hat für ihren Verkauf einen guten Zeitpunkt erwischt. Die Börsen-Aktie ist in den letzten Wochen zeitweilig bis auf 49,00 Euro gestiegen. Höher notierte die Aktie nur im Frühling 2002, als 51,5 Euro erreicht wurden. Abgesehen von dem generellen Aufschwung an den Aktienmärkten machen Analysten für den jüngsten Kursanstieg eine Reihe von unternehmensspezifischen Gründen aus. Denn obwohl die Umsätze an den deutschen Wertpapierbörsen insgesamt im ersten Halbjahr erneut um ein Fünftel niedriger lagen als 2002, steht die Deutsche Börse gut da. Dies verdankt sie in erster Linie dem Boom an der Terminbörse Eurex. Diese verzeichnete im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von über 40 Prozent. Immer mehr Anleger sichern sich mit Derivatgeschäften gegen Kursschwankungen ab. Das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis dürfte sich auch in den Anfang August fälligen Zahlen für das zweite Quartal niederschlagen.

Heiko Frantzen von Sal. Oppenheim erwartet vor allem wegen des Eurex-Booms und des neuen Preismodells für das elektronische Aktienhandelssystem Xetra erneut „gute Ergebnisse“. Einen weiteren Umsatzschub erhofft sich die Eurex aus dem für Anfang kommenden Jahres geplanten Einstieg in den USA. Gut getan haben dem Aktienkurs der Börse außerdem jüngste Spekulationen, das von Paris dominierte paneuropäische Börsenbündnis Euronext plane eine Übernahme der Frankfurter. Experten halten dies allerdings für unrealistisch.

Der Rückzug der Allianz wird nach Meinung von Experten keinerlei Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie der Börse haben. Dennoch gewinnen manche Analysten dem sukzessiven Ausscheiden der Großbanken mit Blick auf eine saubere Corporate Governance durchaus positive Seiten ab. „Das Management kann jetzt vielleicht noch unabhängiger von den Interessen der Banken agieren als vorher“, hieß es bei einer Investmentbank. Gerade mit Blick auf die Allianz/Dresdner hätte sich ein zusätzlicher Interessenkonflikt auftun können: Schließlich ist die Dresdner Bank an der neuen Börse Nasdaq Deutschland beteiligt, die Anfang Mai angelaufen ist.

Mit dem Abschied der Allianz verschiebt sich der Aktionärskreis weiter in Richtung Ausland. Bis zum Börsengang war der Finanzmarktbetreiber komplett in der Hand von Banken, Börsenmaklern und den deutschen Regionalbörsen. Heute liegen nur noch 45 Prozent der Anteile in Deutschland. Größter Einzelaktionär ist inzwischen die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity mit 10,1 Prozent. Insgesamt halten Fonds und andere institutionelle Anleger jetzt mehr als vier Fünftel an der Börse. Der Anteil der Kleinanleger ist mit 4 Prozent bescheiden.

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