Mögliche Übernahme
Hochtief-Aktionäre rufen EU zur Hilfe

Deutsche und spanische Aktionärsschützer gehen auf die Barrikaden. Das von ACS angekündigte Angebot für Hochtief sei nur eine "simulierte Übernahme-Offerte". Jetzt hoffen die Aktionäre auf Hilfe der EU.
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HB MADRID. Im Tauziehen um die mögliche Übernahme des deutschen Baukonzerns Hochtief durch den Großaktionär ACS wollen Kleinaktionäre die Europäische Kommission einschalten. Die Regulierungsbehörde solle prüfen, ob die ACS-Pläne mit den Regeln des EU-Binnenmarktes und dem deutschen Übernahmerecht in Einklang stünden, sagte eine Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher, am Dienstag in Madrid. Die DSW habe der EU-Kommission eine entsprechende Anfrage vorgelegt.

Benner-Heinacher kritisierte die ACS-Offerte erneut als zu niedrig und warf dem spanischen Konzern vor, nur ein Minimal- Angebot gemacht zu haben. "ACS nutzt eine Rechtslücke im deutschen Übernahmengesetz", kritisierte sie.

ACS bietet acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Aktien. Einen Aufschlag für die Anteilseigner gibt es damit nicht. Zum Zeitpunkt der Ankündigung bewertete ACS die Hochtief-Aktie mit rund 56 Euro, derzeit notieren die Anteilsscheine bei 63,90 Euro. Die von der DSW als unattraktiv eingestufte Offerte soll es dem Konzern ermöglichen, die Schwelle von 30 Prozent der Hochtief-Anteile zu überschreiten und sich über die Börse mit Aktien des Essener Konzerns einzudecken. Mittelfristig könnte ACS so die Schwelle von 50 Prozent der Anteilsscheine überspringen.

Auch beim Hochtief-Vorstand war die Offerte auf Widerstand gestoßen: "Wo für Hochtief und vor allem seine Aktionäre die Vorteile liegen sollen, erkennen wir nicht, und dies hat auch ACS noch nicht dargelegt", hatte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter gesagt. Hochtief arbeitet seit Tagen an einer Reaktion auf die ACS-Offerte und wird dabei von Goldman Sachs, der Credit Suisse und der Deutschen Bank beraten. Das Team werte alle verfügbaren Informationen aus und prüfe "alle Optionen", hatte ein Hochtief-Sprecher gesagt. Der Konzern hatte auch die Politik um Unterstützung im Kampf gegen ACS gebeten. Die Bundesregierung hat bereits angedeutet, dass sie dazu nicht bereit ist. Die nordrhein-westfälische Landesregierung will Hochtief dagegen unterstützen.

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