Mögliches Fehlverhalten von Porsche
VW-Aktie: Anwälte sehen wenig Chancen für Kläger

Haben Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter bei ihren Geschäften mit VW-Aktien gegen das Aktienrecht verstoßen? Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft dies nach einer Anzeige der Finanzaufsicht. Anleger, die durch die sagenhafte Rally der VW-Aktien Geld verloren haben, dürfen dennoch kaum auf Schadenersatz hoffen.

HB FRANKFURT. Die durch den Höhenflug der VW-Aktie im vergangenen Jahr geschädigten Investoren haben laut Expertenmeinung kaum Chancen, ihr Geld zurück zu bekommen. "In diesem Fall ist die Darstellung von Schadensersatzansprüchen sehr schwierig", sagt Rechtsanwalt Janos Morlin, Spezialist für Kapitalmarktrecht von der Münchener Kanzlei Rotter. Durch die möglicherweise pflichtwidrige Kommunikation der Optionsgeschäfte von Porsche auf VW-Aktien seien nicht die Aktionäre der eigenen Gesellschaft geschädigt worden, sondern das Verhalten des Porsche-Managements habe den Aktienkurs eines anderen Unternehmens beeinflusst.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte am Donnerstag Geschäftsräume von Porsche untersucht und prüft einen Anfangsverdacht auf Marktmanipulation und der unbefugten Weitergabe von Insiderinformationen. Allerdings sei die Ermittlungsschwelle bei starken Kursschwankungen nicht besonders hoch, sagte Morlin. "Nach extremen Kursbewegungen wird typischerweise eine standardmäßige Ermittlung von der BaFin durchgeführt."

Etwas anders schätzt Marco Cabras, Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Lage ein: Die Finanzmarktaufsicht überprüfe normalerweise alle großen Übernahmen, sagt Cabras. Meist verliefen diese Untersuchungen jedoch im Sande. Dass nun eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wurde, sei sehr ernst zu nehmen. Offen bleibe jedoch, ob es tatsächlich zu einem Prozess komme. Bislang könnten die Fälle einer Verurteilung wegen Marktmanipulation in Deutschland an einer Hand abgezählt werden.

Im vergangenen Oktober hatte die VW-Aktie zwischenzeitlich nach einer Kursverfünffachung mehr als 1 000 Euro gekostet, nachdem bekannt geworden war, dass der Streubesitz deutlich kleiner war als von Marktteilnehmern angenommen. Porsche teilte damals mit, dass sich das Unternehmen neben der Beteiligung von 42,6 Prozent an VW-Stammaktien zusätzlich 31,5 Prozent über Optionen gesichert habe. Gleichzeitig bekannte Porsche die Absicht, bei VW die Dreiviertelmehrheit zu erlangen und damit Zugriff auf die VW-Kasse zu erhalten.

Nach Meinung der DSW ist es zu begrüßen, dass nun Licht ins Dunkel der Porsche-VW-Übernahme kommt. "Die ganze Übernahme war wie ein großes Minenfeld", sagte Cabras. Schließlich habe sich die größte Übernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte über Jahre hingezogen. "Da gab es viele Minen, auf die Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter hätten treten können." Ob sie jedoch tatsächlich ihre Informationspflicht verletzt hätten, müssten die jetzt eingeleiteten Untersuchungen zeigen. "Vor Vorverurteilungen muss man sich hüten."

Die Staatsanwaltschaft sucht nach Ansicht von Anwalt Morlin nach Beweisen, dass es bei Porsche schon vor der Veröffentlichung Pläne gab, auf 75 Prozent aufzustocken und einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit Volkswagen zu schließen. Vor dem Kurssprung waren Marktteilnehmer aufgrund anders lautender Aussagen der Organe von Porsche davon ausgegangen, dass dies absehbar nicht der Fall sein würde. Sie könnten durch dieses Verhalten von Porsche getäuscht worden sein. Zudem könnte es sein, dass Insider aus den Geschäften Profit gezogen hätten.

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