Myron Scholes
Die Rückkehr des Risiko-Manns

Er kennt sich mit Krisen bestens aus: Immerhin brachte Myron Scholes einst das Finanzsystem fast zum Zusammenbruch. Jetzt hat der Nobelpreisträger einen neuen Arbeitgeber. Er soll sich um Kontrolle von Risiken kümmern.
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DüsseldorfDie US-Vermögensverwaltung Janus Capital hat in der Finanzkrise viele Kunden verloren. Den Erfolg soll ausgerechnet ein Manager zurückbringen, der einst das Weltfinanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geführt hatte. Myron Scholes bekommt bei Janus die neu geschaffene Position des Chief Investment Strategist. Er soll das Anlageteam beraten und sich um Modelle zur Risikokontrolle kümmern.

Der 73-Jährige Scholes hat eine bewegte Karriere hinter sich. Zusammen mit Robert Merton hat er 1997 den Nobelpreis für Modell zur Bestimmung von Optionspreisen erhalten. Das nach ihm benannte Black-Scholes-Modell erfreut sich bis heute großer Beliebtheit zur Einschätzung von Risiken.

Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Scholes als Mitgründer des Hedge-Fonds Long Term Capital Management (LTCM). Nach massiven Fehlspekulationen im Zuge der Rubelkrise in Russland verlor der Fonds mehr als vier Milliarden Dollar. Der Zusammenbruch im September 1998 erschütterte die gesamte Wall Street. Nur eine Rettungsaktion der großen US-Banken und der US-Notenbank verhinderte einen weltweiten Crash. Es war die bis dahin schwerste Krise des Finanzsystems, erst 2007 übertroffen von der Finanzkrise.

In den Jahren nach dem LTCM-Kollaps wurde es stiller um Scholes. Zuletzt war er Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats bei Stamos Partners, davor Vorsitzender von Platinum Grove Asset Management.

Der neue Arbeitgeber von Scholes freut sich in einer Pressemitteilung, einen der „weltweit führenden Köpfe in den Bereichen Risiko, Volkswirtschaft und Finanzen“ verpflichtet zu haben. Der „Erfahrungsschatz“ von Myron Scholes sei „ein großer Gewinn“. Der neue Mann werde eng mit dem Investment-Team zusammenarbeiten und es in makroökonomischen Fragen sowie mit quantitativen Analysen für Absicherungsgeschäfte, Risikomanagement und disziplinierte Portfoliokonstruktion unterstützen. Darüber hinaus werde er federführend bei der Entwicklung von Asset-Allocation-Produkten von Janus sein.

Janus verkündete außerdem eine weitere Neuverpflichtung: Ashwin Alankar, vormals Bernstein Alliance, wird Head of Asset Allocation and Risk Management sowie Co-Portfoliomanager.

Janus sitzt in Denver und verwaltet ein Vermögen von 174 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Datenanbieters Bloomberg musste die Gesellschaft zuletzt 19 Quartale in Folge Abflüsse von Kundengeldern hinnehmen.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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