Nach der Börsenkorrektur
Dax-Ausblick: An den Unternehmen hängt's

Gerade zwei Wochen ist es her: Der Dax erreichte ein Rekordhoch, übertrumpfte sogar das Allzeithoch vom März 2000. Nur 14 Tage später pendelt Deutschlands wichtigster Index zwischen 7 400 und 7 500 Zählern und damit acht bis zehn Prozent unter der Höchstmarke. Schrecksekunde oder der Beginn einer langen Marktkorrektur? Das fragen sich Anleger auf der ganzen Welt nach den drastischen Kursrückgängen an den internationalen Börsen.

HB DÜSSELDORF. Noch macht die Erinnerung an die jüngsten Korrekturen mit ihren raschen Erholungen Dax-Anlegern Hoffnung. Beim Daytradebroker Clickoptions etwa schließen mehr als zwei Drittel der Anleger größere Kursverluste des deutschen Leitindex kurzfristig aus. 27 Prozent setzen gar auf schnelle Kurssteigerungen, 26 Prozent auf ein weitgehend stabiles Kursniveau und 25 Prozent auf leicht steigende Kurse. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Sentimentanalyse des Brokers. „Dies lässt den Schluss zu, dass die meisten Dax-Anleger die Kursverluste der vergangenen Tage nur als eine Marktkorrektur betrachten und weiterhin mit einem generellen Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt rechnen“, erklärt Clickoptions-Sprecher Richard Ohl.

Immerhin hatte der Dax sich mit seinem Rekordstand von 8 151 Punkten am 13. Juli ganze 23 Prozent vom Vorjahresschlussstand entfernt. Am Freitagnachmittag notierte er immer noch mehr als zehn Prozent höher als zu Jahresbeginn. Die Kurskorrektur in dieser Woche von über vier Prozent sei eine natürliche Korrektur nach einer fulminanten Rally, meinen denn auch einige Beobachter.

„Die Vorzeichen für die kurzfristige Entwicklung sind in Moll“, erklärt LBBW-Analyst Steffen Neumann. An den längerfristigen Prognosen habe sich aber nicht viel verändert. „Wir sehen das als kleine Sommerflaute an“, stimmt Fondsmanager Dennis Nacken von Allianz Global zu. „Der Markt hat die Scheuklappen abgelegt und schaut den Risiken ein Stück weit in die Augen“, sagt Nacken. Viele Notenbanker hatten in den vergangenen Monaten gewarnt, die Märkte bewerteten die Risiken nicht adäquat. Da ist einmal der US-Immobilienmarkt. Analysten nennen darüber hinaus immer wieder den hohen Ölpreis und den Anstieg des Euro-Kurses als Risiken.

„Die Blase am US-Wohnungsmarkt hängt wie ein Damoklesschwert über dem Markt“, führt Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest aus. Er sieht allerdings kein Crash-Szenario: „Ich bin nicht so pessimistisch zu sagen, dass der Dax nicht noch Aufwärtspotenzial hat – vielleicht aber eher im einstelligen prozentualen Bereich.“ Auch die Fondsmanager von Allianz Global bewerten das Risiko einer Kreditklemme moderat: „Manche malen ein Horrorszenario an die Wand – wir sehen das nicht“, erläutert Nacken. Die Marktstrategen blicken vielmehr mit Optimismus in die Zukunft: Für einen längerfristig positiven Ausblick spricht laut Nacken die Konjunkturentwicklung – sowohl in den USA als auch in Europa. „Der Markt hat ein solides Fundament – das gilt auch für die US-Wirtschaft, wo die Industrieproduktion und der Arbeitsmarkt trotz der Immobilienkrise relativ robust sind“, erläutert Nacken. In Europa könne die Gewinnsituation der Unternehmen allgemein als robust bezeichnet werden.

Auch LBBW-Experte Neumann hält die Entwicklung in Europa für robust und erwartet in der neuen Woche gute Zahlen von den 13 Dax-Unternehmen, die ihre Quartalsberichte veröffentlichen. Aber angesichts der negativen Stimmung an der Weltleitbörse in New York sei es zweifelhaft, ob dies den Trend ändern könnte. Die Dax-Konzerne könnten eine mögliche weitere Kursabschwächung vielleicht etwas abfedern, umkehren aber sicher nicht.

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