Nachgefragt
Von Rosen: "Eine eigene Plattform wäre hilfreich"

Das Handelsblatt spricht mit Rüdiger von Rosen über die Idee einer neuen Plattform für junge Unternehmen. Von Rosen ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts.

Handelsblatt: Warum brauchen wir in Deutschland nach den schlechten Erfahrungen wieder einen Neuen Markt?

Von Rosen: Es geht nicht um eine Neuauflage des Neuen Marktes. Aber eine eigene Plattform für kleinere und mittlere Unternehmen ist hilfreich, weil sich diese so besser den Investoren zeigen können. Das erleichtert die Kapitalaufnahme über die Börse. Außerdem finden sich Private-Equity- und Venture-Capital-Investoren eher bereit, in Unternehmen zu investieren, wenn es einen verlässlichen Exit-Kanal gibt.

Was muss diesmal anders werden?

Das ist eine gute Frage, die letztlich nur im Wettbewerb der zuständigen Börsen entschieden werden kann. Hierbei ist sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite zu beachten. Sofern das Segment nicht von vornherein institutionellen Investoren vorbehalten bleibt, ist es wichtig, dass den privaten Anlegern die Risiken eines Investments in junge Unternehmen eindeutig bekannt gemacht werden. Dies verhindert Euphorie und jähe Enttäuschungen. Auf der Angebotsseite ist es unverzichtbar, dass die Unternehmen die Anforderungen einer Börsennotierung dauerhaft erfüllen können, ohne hierfür das operative Geschäft vernachlässigen zu müssen. Die Kosten für die Emittenten müssen niedrig gehalten werden, damit der Börsengang eine echte Alternative zu anderen Finanzierungswegen wird. Es wundert mich daher nicht, dass derzeit vor allem der Freiverkehr als alternative Plattform diskutiert wird, weil hier geringere gesetzliche Anforderungen herrschen.

Brauchen wir nicht zwei Neue Märkte? Einen für junge Unternehmen und einen für Mittelständler?

Ich plädiere für ein gemeinsames Segment. Hierdurch steigt die Anzahl potenzieller Unternehmen deutlich. Außerdem befinden sich junge Firmen und etablierte Mittelständler beim Börsengang in sehr ähnlichen Situationen. Beide haben in der Regel wenig Erfahrung im Umgang mit fremden Eigenkapitalgebern und schrecken vor der Kostenbelastung zurück. Beide können die Anforderungen einer Börsennotierungen häufig nicht aus dem Stand oder ohne fremden Rat erfüllen. Und beide wollen die Börse nutzen, um ihre Eigenkapitalposition zu stärken. Dass sich die Finanzierungsziele und die Anlagerisiken unterscheiden, ist aus Investorensicht kein Hindernis.

Die Fragen stellte Christian Schnell.

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