Nachgerechnet
Vom zweifelhaften Nutzen der Stop-Loss-Order

Eine Stop-Loss-Order soll das Verlustrisiko begrenzen. Doch in der Realität wirken sie zwar beruhigend, bringen finanziell aber wenig. Im Gegenteil: Neben Gebühren können sie auch Rendite kosten.
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Düsseldorf„Die Börsen haben keine Ferien“, schreibt die DAB-Bank ihren Kunden - und empfiehlt, an eine Stop-Loss-Order zu denken. Stop Loss heißt, Verluste begrenzen. Wer für drei Wochen in die Karibik fliegt, will vielleicht sichergehen, dass er hinterher keine bösen Überraschungen auf seinem Depotauszug erlebt, weil in der Zwischenzeit die Kurse abgestürzt sind. Angesichts der Schuldenkrisen in Europa und den USA muss man der DAB-Bank für diese Erinnerung dankbar sein.

Bei einer Stop-Loss-Order wird eine Aktie oder auch ein Indexfonds automatisch verkauft, wenn der Kurs unter eine vom Kunden festgesetzte Grenze fällt - zum Beispiel um mehr als 15 Prozent oder unter einen festgesetzten Kurs. Damit lassen sich ja toll Verluste begrenzen, dachte ich, und habe mal nachgerechnet, ob eine systematische Stop-Loss-Strategie nicht sogar über längere Zeit gesehen die Rendite verbessert.

Wie wäre es zum Beispiel gewesen, wenn ein Sparer vor drei Jahren 10.000 Euro in einen Indexfonds investiert hätte, der den Dax abbildet, etwa in einen iShares-Indexfonds (WKN 593393). Damals standen wir ja kurz vor dem großen Börsenabsturz im Zuge der Finanzkrise. Wäre der Anleger systematisch nach einem Verlust von 15 Prozent ausgestiegen und zu Anfang des folgenden Monats wieder eingestiegen, hätte der Anleger tatsächlich auch mal günstiger wieder eingekauft. Aber dann kam ja schon der nächste Absturz, mit kleinen Erholungen, und er hätte auch zweimal teurer gekauft, als er vorher verkauft hätte.
Fast am tiefsten Punkt, am 2. März 2009, wäre er zum letzen Mal ausgestiegen, da war der Fonds, den er für 60,50 Euro pro Anteil gekauft hatte, nur noch 34,91 Euro je Anteil wert. Erst zu Beginn des folgenden Monats, am 1. April, als sich der Dax schon wieder ein bisschen erholt hatte, wäre der Sparer wie geplant wieder eingestiegen - bei 39,10 Euro. Den Wiedereinstieg beinhaltet eine Stop-Loss-Order zwar nicht. Aber dieser letzte Einstieg am 1. April hätte das Investment dann gerettet. Das Depot stände heute wieder bei 9792 Euro. Davon gingen allerdings 150 Euro Transaktionskosten ab, sie sind bei einer Direktbank wie der DAB-Bank eher mäßig. Also hätte der Sparer derzeit netto 9642 Euro im Depot.

Und hätte er einfach den Fonds gehalten, ganz ohne Stop-Loss-Order? Dann wären jetzt 10771 Euro auf dem Konto, minus einmalige Kaufgebühren von 31,41 Euro. Macht netto fast 1100 Euro mehr.
Natürlich ist das Beispiel willkürlich gewählt. Wissenschaftliche Studien kommen aber zu einem ähnlichen Ergebnis: Stop-Loss-Strategien bringen keine Zusatzrendite. Sie kosten nur Gebühren. Zwar kann der Anleger Verlustphasen aussparen, aber es besteht auch die Gefahr, dass er nicht rechtzeitig wieder einsteigt und Gewinnchancen verpasst.

Besser sieht es allerdings bei "Trailing Stop Loss Orders" aus. Da wird nachgezogen: Bei einer Gewinnsträhne wandert die Schwelle, zu der verkauft werden soll, mit jedem neuen Hoch mit. So werden Kursschwankungen nachweisbar verringert und damit auch das Verlustrisiko. Die Rendite ist aber auch nicht höher, als wenn der Anleger den Fonds oder die Aktie behalten hätte. Denn auch hier verpasst er vielleicht den besten Wiedereinstiegsmoment.

Was diese Rechnungen nicht zeigen: So eine Stop-Loss-Order beruhigt ungemein die Nerven. Deswegen würde ich sie ab und zu vielleicht doch mal nutzen. Und am Strand dann anderen Gedanken nachhängen.

Kontakt zur Autorin: hussla@handelsblatt.com

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  • Sehr guter Artikel. Das ständige Hin und Her macht nur die Taschen leer. Klar, dass die Direktbanken das wollen. So verdienen sie mehr. Aber dem Sparer nutzt das wenig. Buy and hold ist auf lange Sicht die bessere Strategie, denn langfristig steigt die Börse. Bei dem Flash-Crash an der Wall Street wäre die Stop-Loss-Aktion schlimm verlaufen, denn an diesem Tag fielen die Kurse wie Kartenhäuser zusammen. Zu dem Thema habe ich in meinem Blog www.boersenewyork.de etliches geschrieben.

  • Leider hat die Autorin einen wesentlichen Nachteil der Stop-Loss-Order überhaupt nicht behandelt: bei Unterschreitung der gesetzten Grenze wird die Order in eine "Bestens"-Order umgewandelt, d.h. es wird zum jeweils nächsten Kurs verkauft, der - je nach Liquidität des Marktes - deutlich unter der Stop-Loss-Grenze liegen kann.

  • Liebe Leser,

    Die Ergebnisse der Recherche haben mich selbst ein wenig überrascht. Zum besten Wieder-Einstiegspunkt ist man ja hinterher immer schlauer als vorher. Deshalb habe ich nach Diskussion mit einem Wertpapierhändler einfachst ein paar Tage gewartet - bis zum ersten des folgenden Monats. Und das systematisch. Das Ergebnis wäre ähnlich ausgefallen, hätte ich länger gewartet, etwa bis zum ersten des übernächsten Monats. Dem "Misthaufen" ganz fern zu bleiben, wäre leider auch schlecht ausgegangen, dann hätte Sie die schöne Rally seit März 2009 verpasst.

    Dass Timing an den Aktienmärkten nicht funktioniert, wird von vielen Wissenschaftlern so gesehen. Ich darf auf eine Untersuchung verweisen, zu finden unter
    http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1214737.
    Der einzige unumstrittene Nutzen ist nach meiner Kenntnis, dass Stop Loss dem Dispositionseffekt der Anleger entgegenwirkt, Gewinne zu schnell mitzunehmen und bei Verlusten zu lange an einem Produkt festzuhalten (Martin Weber, Genial einfach Investieren, S. 100).

    Ich darf noch ein Zitat vom populären Prof. Max Otte anfügen:

    “Stop-Loss sind gut für die Nerven, ..im Moment fühlen sie sich zwar gut, wenn der Markt runtergeht, aber wann wieder einsteigen? „Wenn der Boden gefunden ist, natürlich, werden nun einige sagen.“ Nun, ich kenne kaum einen dümmeren Spruch.

    Wann wissen Sie denn, wenn der Boden gefunden ist? Dann, wenn Sie weit, weit davon weg sind und der Markt von Tief schon wieder Riesengewinne gemacht hat! Und ÜBERHALB Ihres Verkaufskurses steigen sie dann wieder ein.” "http://www.be24.at/blog/entry/652226) Soweit Prof. Otte.

    Aber - gut für die Nerven ist es auf jeden Fall!

    Schönen Gruß und schöne Ferien! Gertrud Hussla

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