Nachhaltige Geldanlage
Kirchen werden zu aktiven Aktionären

Bistümer und Landeskirchen in Deutschland verfügen über ein Investitionsvolumen von 60 Milliarden Euro. Bei der Vertretung ihrer Aktionärsinteressen sind sie bisher jedoch zögerlich. Das soll sich jetzt ändern: Um bei Unternehmen mehr Gehör zu finden, wollen die Kirchen neue Töne anschlagen und ihre Stimmen bündeln.

BERLIN. Die gewaltige Summe von geschätzten 60 Mrd. Euro könnte schon bald weitaus aktiver verwaltet werden als bislang. Die dahinter stehenden Investoren von Bistümern und Landeskirchen in Deutschland, die dieses Kapital bisher weitgehend jeder für sich angelegt haben, wollen künftig ihre Interessen bündeln und damit verantwortlicher investieren als bisher. Das ergab eine von der deutschen Bischofkonferenz und der evangelischen Kirche (EKD) unterstützte Studie der Entwicklungsorganisation Südwind und des Instituts für Markt Umwelt Gesellschaft (Imug), die dem Handelsblatt vorliegt.

Bisher gibt es bei den Kirchen beim Thema Geldanlage zwar über Nachhaltigkeitskriterien eine gewisse Auslese an Investments, künftig soll indes unter dem Oberbegriff "Engagement" eine gemeinsame Institution stehen, die beispielsweise gegenüber Aktiengesellschaften deutlich stärker als bisher die Interessen und Werte der Kirchen vertritt. "Engagement, englisch ausgesprochen, bedeutet, dass Aktionäre Unternehmen auf kritische Punkte ansprechen oder durch Dritte ansprechen lassen, um sie zu bewegen, diese zu beseitigen", erläutert Silke Riedel von Imug. Alle 30 befragten Führungskräfte von Landeskirchen, Diözesen, Pensionsfonds, Stiftungen und Kirchenbanken befürworteten dies. "Sie betrachten aktives Aktionärstum angesichts hoher, für Pensionsverpflichtungen angelegter Summen als geeignetes Instrument, um mehr soziale Gerechtigkeit zu erreichen", berichtet Antje Schneeweiß von Südwind.

Die Landeskirchen in Hessen und Nassau sowie in Baden preschten bereits zusammen mit zwei Versorgungskassen evangelischer Landeskirchen vor: Seit August 2008 lassen sie ihre Stimmrechte für insgesamt rund eine Mrd. Euro an Aktien über das "Responsible Engagement Overlay"-Konzept (REO) des Londoner Vermögensverwalters F&C ausüben. Er prüft die Aktienbestände und bündelt Stimmrechte, um in Hauptversammlungen und im direkten Dialog mit Unternehmen Einfluss auszuüben.

Für Oberkirchenrat Heinz Thomas Striegler von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist bedeutsam, "dass sich F&C nachweislich Gehör verschafft." Jährlich setzten weltweit mehr als 200 Unternehmen die vorgeschlagenen Maßnahmen um. Ende 2006 gab die "Berliner Ärzteversorgung" F&C als erster deutscher Kunde ein Mandat. Das Kapital verwaltet unverändert die Hausbank.

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