Nachhaltigkeit
Deutsche Unternehmen verlieren den Anschluss

Viele Unternehmen schmücken sich mit der Mitgliedschaft in einem Nachhaltigkeitsindex. Deutsche Konzerne tun sich aber zunehmend schwer. Hochtief und VW müssen ihre Plätze in führenden Indizes bald räumen.
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BerlinDeutsche Unternehmen werden in Sachen nachhaltiges Wirtschaften von der Konkurrenz überholt. Im wichtigsten globalen Index für Nachhaltigkeit, dem Dow Jones Sustainability Index (DJSI) World, sinkt ihr Anteil im September von 6,5 auf 6,14 Prozent. Das ergibt sich aus der neuen Index-Zusammenstellung, die Dow Jones Indexes und die für die Titelauswahl zuständige Züricher SAM heute morgen veröffentlichten. Vor der Finanzkrise standen deutsche Konzern noch für 8,3 Prozent des Index. Während das Gewicht deutscher Unternehmen sinkt, gewinnen die Niederlande, Frankreich und Großbritannien an Bedeutung. Britische Konzerne fallen mittlerweile mit 15,8 Prozent ins Gewicht.

Nur ein Drittel aller in Frage kommenden deutschen Unternehmen schaffte den Sprung in den 342 Titel umfassenden Nachhaltigkeitsindex. Zum Vergleich: Spanischen Unternehmen gelingt das zu 80 Prozent. Zu den 19 sogenannten „Supersector Leaders“, die in ihrem Sektor die besten Nachhaltigkeitswerte aufweisen, gehört mittlerweile nur noch BMW. Vor Jahren standen noch einige deutsche Unternehmen an der Spitze ihrer Branche.

Auch im Europaindex DJSI Europe, der 172 Titel umfasst, wird die deutsche Position schwächer: Volkswagen fällt heraus, weil Wettbewerber stärker waren. Konkrete Gründe nennt SAM wie üblich nicht. Im Weltindex ist VW weiter vertreten. Allerdings gibt es auch hier einen deutschen Absteiger: Wenn der DJSI World am 19. September umgestellt wird, wird Hochtief nicht mehr dabei sein. Mit Lanxess rückt aber ein deutsches Unternehmen nach.

Der DJSI World sondiert von den 2.500 weltgrößten Konzernen diejenigen, die die besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen. Dabei werden ökonomische, ökologische und soziale Kriterien gleichrangig gewichtet. Die Revision des DJSI beeinflusst Entscheidungen von Vermögensverwaltern in 16 Ländern, die auf Basis der Indexfamilie rund acht Mrd. Dollar verwalten. Für viele Unternehmen ist die Notierung Firmenziel, manche wie der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel machen von der Bewertung durch SAM auch Managervergütungen abhängig. Darum steigt die Zahl derer, die auf die Nachhaltigkeits-Umfrage von SAM Indexes antworten, kontinuierlich. Dieses Jahr haben 729 Unternehmen aktiv teilgenommen, vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Analysten wählen nach dem Best-in-Class-Prinzip aus 57 Branchen die Unternehmen aus, die in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Dimension die besten Leistungen ihrer Branche erbringen. In den DJSI World kommen die zehn Prozent besten Unternehmen aller Branchen, in den DJSI Europe die 20 Prozent Branchenbesten. Beim DJSI können Öl-, Tabak- und Rüstungskonzerne notiert sein, auch wenn dies viele Anleger befremdet. Der Grund: Der Dow Jones gibt für den Weltindex die Branchenbildung vor, an die sich SAM halten muss, weil Institutionelle ihn mit der konventionellen Benchmark vergleichen wollen.

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  • In der Baubranche gibt es auch noch viel Potenzial, was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Hier ist ein gutes Beispiel einer Info-Plattform zum Thema, die von deutschen Industrieunternehmen unterstützt wird: www.allianz-pro-nachhaltigkeit.de

  • Mit konventionell-traditionellem Denken lässt sich keine Nachhaltigkeit erreichen. Dies wird erst möglich, wenn man sich der Thematik Zusammenhänge und Wechselwirkungen öffnet, also eine Welt dynamischer Vernetzung annimmt. Dadurch wird man in die Lage versetzt die eigentlichen! Systemunzulänglichkeiten zu erkennen und aufzulösen, einhergehend mit der Erkenntnis, das bisheriges Wissen sich nur mit Symptomen beschäftigte. Auf diese Weise werden Systeme, wie die ökonomischen Teilsysteme wieder suffizient.

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