Nairobi Stock Exchange
Aktien statt Rinder

Wer früher in Kenia zu Geld kam, eröffnete einen Kiosk oder kaufte Land. Heute handelt er mit Wertpapieren: Das Land ist im Aktienfieber. Wachstumsraten von mehr als 400 Prozent versprechen Rekordgewinne und locken selbst Bauern und Studenten aufs Parkett. Doch schon gibt es die ersten Verlierer.

NAIROBI. Der Popcorngeruch fehlt. Sonst ist alles wie im Kino. Die große Leinwand, die bequemen Sessel, die tuschelnden Zuschauer. Das Licht geht aus und – dann laufen keine Filme, sondern endlose Zahlenkolonnen über die Leinwand: der Top-20-Index der Nairobi Stock Exchange (NSE). Bei den meisten Kursen zeigt ein grüner Pfeil nach oben. „Der Markt geht hoch heute“, flüstert ein Zuschauer seinem Nachbarn zu. „Ist noch was billig zu haben?“ fragt der zurück.

Diese Show wiederholt sich täglich: Jeden Morgen, bevor die Börse mit dem Handel startet, strömen Hunderte Kleinaktionäre in den Saal neben dem Börsenparkett für die Profis. Um die Sitze wird gerangelt. Wer keinen Platz ergattert, muss draußen warten. Es warten viele.

Kenia ist im Aktienfieber. Allein 2006 verdreifachte sich die Zahl der Wertpapierbesitzer auf 750 000. Eine halbe Million Kenianer kaufte zum ersten Mal Aktien. Der Index der 20 wichtigsten börsennotierten Unternehmen stieg um 42 Prozent. Seit 2002 ging es um mehr als 400 Prozent nach oben.

„Man kann nur gewinnen“, sagt Robert Asudi. Der 31 Jahre alte Kenianer lebt vom Aktienhandel. Vor vier Jahren hat er seinen Job als Immobilienmakler aufgegeben und sich selbstständig gemacht. Seitdem betreut er die Aktiendepots von Familienmitgliedern und Freunden. Mehrere hundert Leute haben ihm ihr Geld anvertraut. Jeden Tag kommt Asudi ins Börsen-Kino, um die Aktienkurse zu verfolgen – während der Handelszeiten von 10 bis 13 Uhr. Einen Nachrichtensender mit Börsenkursen am laufenden Band gibt es in Kenia noch nicht.

Neun Etagen über dem Auditorium sitzt James Murigu in seinem Büro und trinkt Tee. Murigu leitet „Suntra“, eine der größten kenianischen Investmentbanken. Er hat drei Telefone auf dem Schreibtisch, und die benutzt er im Zweifel auch gleichzeitig. „1 000 Mal pro Tag kaufen oder verkaufen wir Anteile“, sagt er. „Es sind goldene Zeiten.“

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